Joanneum-Leitung: Peter Pakesch Favorit

11. Jänner 2002, 21:33
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Wunschkandidat von Gerhard Hirschmann

Graz - In der zweiten Hälfte dieses Jahres soll das steirische Landesmuseum Joanneum in eine GmbH umgewandelt werden, um ab Jänner 2003 "picobello zu laufen", wie sich Gerhard Hirschmann (VP), Landesrat auch für Kultur, ausdrückt. Im Advent wurde daher die Leitung des zweitgrößten österreichischen Museums ausgeschrieben.

Gesucht werden nicht, wie einst geplant, ein Intendant und ein kaufmännischer Geschäftsführer, sondern ein künstlerischer und ein wissenschaftlicher Leiter. Aus gutem Grund, wie man im Joanneum meint: weil sich Hirschmann den gebürtigen Grazer Ex-Galeristen Peter Pakesch, Leiter der Kunsthalle Basel, als Chef wünsche. Und weil die Zustimmung der SP zur Ausgliederung nur erfolgt sei, weil Hirschmann versprochen habe, den Historiker Wolfgang Muchitsch, früher Büroleiter von Exkulturlandesrat Peter Schachner-Blazizek (SP), zu versorgen.

Das Ergebnis der Ausschreibung, die am Freitag endete, scheint den Gerüchten Nahrung zu geben: Für die künstlerische Direktion bewarben sich fünf Personen (darunter Pakesch), für die wissenschaftliche zehn (darunter Muchitsch). Das Interesse hält sich somit in Grenzen - selbst wenn noch Bewerbungen eintreffen sollten.

Hirschmann macht auch kein Hehl daraus, Pakesch und Muchitsch zu favorisieren, mit denen er bereits Gespräche geführt hat: "Ich geh' doch nicht in eine Ausschreibung hinein, wenn ich nicht weiß, dass sich ein paar gescheite Leute bewerben." Sollte es noch bessere Kandidaten geben, sei es ihm recht: Der Headhunter Hill werde zwei Dreiervorschläge ausarbeiten, noch im Februar würden die Hearings stattfinden.

Hirschmann ist es zudem wichtig, jemanden "von außen" zu holen, um ein Signal für den Neubeginn zu setzen. Die Abteilungsleiter des Joanneums dürften daher kaum Chancen haben - und verzichteten auf eine Bewerbung. So auch Christa Steinle von der Neuen Galerie und ihr Chefkurator Peter Weibel, der Leiter des ZKM Karlsruhe.

Die Befürchtung, Pakesch würde sich, weil er vor allem Kenntnis über die zeitgenössische Kunst hat, in die Belange der Neuen Galerie einmischen, versucht Hirschmann zu zerstreuen: "Mir liegt sehr daran, dass Weibel intensiv einbezogen wird - auch bezüglich des geplanten Kunsthauses, bei deren Bespielung die Neue Galerie eine wichtige Funktion übernehmen wird."
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12./13. 1. 2002)

Von
Thomas Trenkler

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