SV Braunau gibt's nicht mehr

31. Jänner 2002, 18:42
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Präsident Lugmayr konnte geforderte Bankgarantien nicht bei Gericht vorlegen - Spieler kostenlos frei

Wien - Der letzte Versuch von Klubpräsident Walter Lugmayr zur Rettung von Fußball-Erstdivisionär SV Braunau ist am Mittwoch Abend fehlgeschlagen. Lugmayr konnte die vom Konkursrichter geforderten Bankgarantien nicht vorlegen, die Gespräche mit möglichen Investoren verliefen ergebnislos. SV Braunau wurde die Bundesliga-Lizenz entzogen, der Verein muss daher mit sofortiger Wirkung den Spielbetrieb einstellen, die Erste Division wird mit neun Vereinen zu Ende gespielt. Die bisherigen Ergebnisse bleiben in der Tabelle berücksichtigt, Braunau steigt mit Saisonende "ab", die Frist für Spielertransfers wurde bis 8. Februar verlängert.

Hoffnung bis zum Schluss

Lugmayr hatte bis zuletzt gehofft, dass ein potenter Investor den Verein noch retten kann. Doch die vom Masseverwalter geforderte Finanzierung bis Sommer bzw. der beantragte Zwangsausgleich konnte(n) nicht realisiert werden. Die ausstehenden Spiele von Braunau werden mit 0:3 strafverifiziert. Da die definitive Betriebsschließung erst am (heutigen) Donnerstag, dem letzten Tag der Transferzeit, erfolgt ist, wird für die bisherigen Braunau-Spieler die Übertrittszeit bis Freitag kommender Woche verlängert.

Gewerkschaftliche Kritik

Der letzte einer Vielzahl von Konkursen in der österreichischen Bundesliga hat von Seiten der Gewerkschaft wieder zu massiver Kritik am Lizenzierungsverfahren und auch an der Bundesliga geführt. "Die neuerliche Einstellung des Spielbetriebes bei einem Verein ist kein unvorhersehbarer "Betriebsunfall". Es ist vielmehr die Folge zahlreicher, oft schon fahrlässiger Fehler im Bereich des Managements dieses Vereines. Leidtragende sind ausschließlich die Spieler", hieß es in einer Presseaussendung von Rudolf Novotny, Geschäftsführer der Vereinigung der Fußballer (VdF).

Lächerliches Lizenzierungsverfahren

"Wir fordern daher seit Jahren von der Bundesliga, das Lizenzierungsverfahren der Realität anzupassen. Trotzdem erhalten alle Vereine immer wieder ohne eingehende Überprüfung die wirtschaftliche Berechtigung zur Teilnahme. Konsequent ist die Bundesliga offensichtlich jedoch nur beim Ignorieren von Kritikpunkten wie beispielsweise das Vorliegen falscher Zahlen oder fehlende Garantien", schreibt Novotny weiter.

Die Bundesliga kündigte auch umgehend Beratungen mit den Klubs über die Konsequenzen des "Falls Braunau" für das Lizenzierungsverfahren an. "Adaptierungen wegen Einführung des Lizenzierungsverfahren der UEFA mit dem Bewerbsjahr 2004/05 werden von der Bundesliga bereits für das Lizenzierungsverfahren ab dem Spieljahr 2003/04 berücksichtigt. Konkrete Ergebnisse werden bis in den Herbst 2002 hinein vorliegen", erklärte die Bundesliga in einer Pressemitteilung.

Verantwortung bei Klubmanagement

Bundesliga-Vorstand Reinhard Nachbagauer sah die Verantwortung an der Pleite ebenfalls im Klub-Management, "das Lizenzierungsverfahren konnte dies leider auch nicht verhindern." Kritik setzte es aber auch an der Gewerkschaft. "Für den Zeitpunkt der Pleite muss auch die Spielergewerkschaft in die Verantwortung genommen worden, die das Insolvenzverfahren angestrengt und initiiert hat und an einer Problemlösung - zumindest den Spielbetrieb bis Meisterschaftsende weiterführen zu können - offensichtlich nicht interessiert war", so Nachbagauer in der Presseaussendung.

Handlungsbedarf ortet er grundsätzlich bei den Spielergehältern, "die mit den wirtschaftlichen Möglichkeiten nicht korrelieren. Leider ist das einzige Einsparungspotenzial der Klubs in den Spielergehältern zu suchen (etwa 2/3 des gesamten Budgets)." (APA)

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