Der Streit um die Kanzlerkandidatur der deutschen Union

11. Jänner 2002, 19:09
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Verzicht Merkels beendet heftige Debatte über die "K-Frage"

Hamburg - Die Unionsparteien CDU und CSU haben lange über ihren Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl und über den Zeitpunkt der Nominierung diskutiert. Schon bald nach der verlorenen Wahl 1998 legten die beiden damaligen Parteichefs fest: Die Kandidatenfrage wird erst zu Beginn des Wahljahrs 2002 entschieden. Die "K-Frage" spitzte sich dann auf zwei Personen zu: auf CDU-Chefin Angela Merkel und den bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Chef Edmund Stoiber.

Jänner 1999: Nach seiner Wahl zum CSU-Chef erklärt Stoiber zur Kandidatenfrage: "Das Spiel ist gerade erst angepfiffen ... Die Frage entscheiden wir zehn Minuten vor Spielende."

April 2000: Auf dem Höhepunkt des CDU-Spendenskandals wird CDU- Generalsekretärin Angela Merkel mit überwältigender Mehrheit zur Parteichefin gewählt. Sie soll die Partei aus dem Skandal führen.

November 2000: Stoiber schließt eine Kanzlerkandidatur für sich noch definitiv aus. Beide Parteien weisen Spekulationen zurück, sie hätten sich intern schon auf Merkel geeinigt.

Dezember 2000: Stoiber sagt: "Über die Kanzlerkandidatur entscheidet die Union gemeinsam Anfang 2002 danach, wer die größten Chancen als Herausforderer von (Bundeskanzler) Gerhard Schröder hat."

Juli 2001: Stoiber sagt: "Ich strebe keine neuen Ämter an."

Oktober 2001: Beim CSU-Parteitag in Nürnberg rufen Merkel und Stoiber demonstrativ zur Geschlossenheit auf. Die CSU-Delegierten begegnen Merkel bei deren Gastrede mit auffallendem Desinteresse.

Oktober 2001: Das Debakel der CDU bei der Regionalwahl in Berlin bringt den verabredeten Zeitplan Frühjahr 2002 erneut ins Wanken. Aus der CDU mehren sich Forderungen nach einer vorgezogenen Entscheidung.

November 2001: Die in Umfragen hinter Stoiber liegende Merkel hält eine kämpferischen Rede beim CDU-Landesparteitag Baden-Württemberg. Die Südwest-CDU fordert dennoch eine schnelle Kandidaten-Festlegung.

Dezember 2001: Merkel und Stoiber bekräftigen beim CDU-Parteitag in Dresden, dass am Zeitplan und Verfahren für die Kandidaten-Kür festgehalten wird. Stoiber wird bei seiner Gastrede gefeiert.

Nach Berichten haben mehrere CDU-Landeschefs und Ministerpräsidenten am Rande des Parteitags vereinbart, Merkel zu zum Verzicht zu bewegen. Sie solle stattdessen den Fraktionschefin werden.

5. Jänner 2002: Merkel erklärt erstmals öffentlich: "Ich bin bereit zu einer Kanzlerkandidatur." Am nächsten Tag bekundet auch Stoiber öffentlich seine Bereitschaft zur Kanzlerkandidatur.

8. Jänner: Die CSU-Bundestagsabgeordneten bitten bei ihrer Klausurtagung in Kreuth die CDU um Unterstützung für Stoiber.

11. Jänner: Am ersten Tag der CDU-Klausurtagung in Magdeburg verzichtet Merkel auf die Kanzlerkandidatur. Stoiber wird Herausforderer von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) bei der Bundestagswahl am 22. September. (APA/dpa)

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