Arbeitslosigkeit: Im Jänner droht neuer Negativrekord

11. Jänner 2002, 18:17
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Einbruch auf allen Seiten - Reserven für "Feuerwehraktion" nötig

Wien - Mit Sicherheit wird es jetzt im Jänner mit rund 300.000 gemeldeten Arbeitssuchenden den schlechtesten Jänner-Wert seit drei Jahren geben. Im Gespräch mit dem Standard schließen aber weder der Chef des Arbeitsmarktservice Österreich (AMS), Herbert Buchinger, noch Wiens AMS-Vizechefin Inge Friehs aus, dass es noch viel dicker kommt und gar der höchste Monatswert in der Zweiten Republik droht.

Hauptursache ist der Bau, aber die Arbeitslosigkeit wächst quer durch alle Produktions- und Dienstleistungsbereiche. Es erwischt auch IT-Fachkräfte, Techniker und sogar Pflegekräfte.

Für 2002 stellt sich das AMS auf 225.000 Arbeitssuchende pro Monat ein, sagt Buchinger. Das ist eine Arbeitslosenrate von 6,7 Prozent (nach 6,1 Prozent im Vorjahr), um durchschnittlich 4000 Betroffene mehr als zuletzt von den Wirtschaftsforschern erwartet. Erstmals seit Jahren wird es weniger Jobs geben.

Hausgemacht

Die überraschend hohe Arbeitslosigkeit im Vorjahr ist zum Teil regierungsgemacht: die Erhöhung des Pensionsalters für normalsterbliche ASVG-Versicherte führte dazu, dass 19.000 Arbeitsplätze länger besetzt blieben und Arbeitssuchende nicht zum Zuge kamen. Demgegenüber steht das starke Ansteigen der Altersteilzeit auf zuletzt 9247 Personen, die dem AMS 370,6 Mio. € kosten wird.

Buchinger ringt mit dem Finanzminister weiter darum, auch die 109 Mio. € Reserven aus dem Jahr 2000 zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit verwenden zu dürfen, zusätzlich zum beschlossenen Budget von 595,9 Mio. €. "Das würden wir in Qualifizierungsmaßnahmen stecken." Vor allem ungelernte Arbeitslose sollten den Umgang mit Computer und Sprachen lernen. Zu befürchten sei, dass die Regierung dieses Geld für die Sicherung des Nulldefizits verwenden will.

Keine Hoffnung macht sich der AMS-Chef, angesichts der dramatischen Zuspitzung am Arbeitsmarkt vom Finanzminister wenigstens einen Teil jener 1,45 Mrd. Euro zurückzubekommen, die dieser dem AMS im Herbst 2000 abverlangt hatte. Damals hatte man voller Optimismus für 2002 nur mit 5,4 Prozent Arbeitslosen gerechnet und die rechnerischen AMS-Überschüsse ins Budget umgeleitet. (DER STANDARD, Print vom 12.1.2002)

Von Lydia Ninz
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