"Bauernbündler als Vorgesetzte" machen "Objektivität unmöglich"

11. Jänner 2002, 17:48
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Beschautierarzt Zweimüller über Systemmängel und Zukunftsängste

Zwettl/Martinsberg - Sein Blick in die Zukunft ist getrübt: Wolfgang Zweimüller, Beschautierarzt im derzeit geschlossenen Schlachthof des unter Betrugsverdachts in Untersuchungshaft sitzenden Willibald R., fürchtet um seine berufliche Zulassung.

Diese, so weiß er, könnte ihm gesetzlich aberkannt werden, sollten zwei Erhebungen der Bezirkshauptmannschaft Zwettl mit Verwaltungsstrafen enden. Untersuchungen nach dem Tierseuchen- und Fleischuntersuchungsgesetz, die sich - wie Bezirkshauptmann Werner Nikisch bestätigt - auf Kollegenberichte über Zweimüllers Schlachthofarbeit im letzten Jahr beziehen.

"Ich bin eben unbequem. Man will mich weghaben", vermutet der Veterinär, dem in Zusammenhang mit dem ersten österreichischen BSE- Fall die Vertauschung von Proben angelastet worden war. Nicht zuletzt seine Medienaussagen hatten in der Folge das Ausmaß der Schlamperei in Martinsberg an den Tag gebracht, der Inhaftierung R.’s dann war die Schlachthofschließung gefolgt.

Und auch jetzt bleibt Zweimüller dabei. Erzählt von "Reinigungsarbeiten nach dem Schlachten, die ein Küchenmädchen um 70 Schilling in der Stunde durchgeführt hat". Davor habe Schlachthofbesitzer R. der bis dahin beauftragten professionellen Linzer Reinigungsfirma "den Vertrag gekündigt. Aus Spargründen".

Druck auf ihn, so Zweimüller, sei über die Jahre oftmals ausgeübt worden: Der Konflikt zwischen ihm und R. schwele schon seit längerer Zeit. Dass es zu keiner Lösung im Sinne der Fleischsicherheit habe kommen können, liege im System begründet, welches in Niederösterreich "Bauernbündler als Vorgesetzten" der vom Land bestellten Schlachthofprüfer bestimme: "Wir wollen objektiv sein und dürfen es nicht".

Die Folgen seien Machtdemonstrationen. Am 2. 7. 1998 etwa habe Landesveterinärdirektor Franz Karner bei Zweimüller angerufen und gefragt, was dem Beschautierarzt einfalle, R. zu kritisieren: "Wie ich erfahren habe, ist R. während des gesamten Gesprächs neben ihm gestanden".

Eine Gesprächskonstellation, die Karner nicht ausschließt. "Dass ich ein solches Telefonat geführt habe, wäre möglich". Doch: Druck ausüben habe er sicher nicht wollen. "Im Gegenteil, mir ist es immer nur um Klärung und Verständigung gegangen".

Mehr BSE möglich

In Sachen BSE schließt indes der Wiener Prionenforscher Herbert Budka weitere Fälle in Österreich nicht aus. Wenn es stimme, dass das erste erkrankte Tier ausschließlich mit österreichischen Futtermitteln ernährt worden sei "würde das bedeuten, dass diese Futtermittel kontaminiert waren - und dann ist mit weiteren Fällen zu rechnen". (Irene Brickner, Der Standard, Printausgabe, 12.01.02)

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