Wird mehr für die Schule oder fürs Leben gelernt?

26. August 2003, 18:54
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market- Umfrage: Es wird zuviel "Ballast" gebüffelt

Wien/Linz - "Haben Sie den Eindruck, dass die Schüler in der Schule im Großen und Ganzen das Richtige lernen oder lernen Schüler in der Schule viele Dinge, die man im späteren Leben eigentlich nicht braucht?" Diese Frage ließ der Standard vom Linzer Marktforschungsinstitut market in 415 Haushalten mit Schülern stellen.

Beinahe jede zweite Antwort war negativ: 47 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass man vielfach nicht für das Leben, sondern für die Schule lernt. Die größten Zweifel haben jüngere Befragte, die auch selber frische Schulerfahrungen haben, sowie Anhänger der Freiheitlichen - relativ geringe Zweifel haben erklärte Sozialdemokraten. Dass mehr für die Schule als für das Leben gelernt wird, hatte schon Seneca (4 v. Chr.-65 n. Chr.) in seinen Episteln (Epistulae 106, 12) vermutet - woraus Lateinlehrer den Sinnspruch "Non scholae, sed vitae discimus" drechselten.

Nur 41 Prozent sagen, dass die Schüler das Richtige lernen, elf Prozent enthalten sich der Aussage.

Dieses von Zweifeln verdunkelte Bild hellt sich allerdings auf, wenn man die Befragten bittet, die einzelnen Unterrichtsbereiche konkret nach ihrer Praxistauglichkeit einzuschätzen. Hier werden die relativ größten Zweifel bei den musisch-künstlerischen Fächern geäußert - während die in der Schule vermittelte Allgemeinbildung von 84 Prozent und der Sprachunterricht sogar von 87 Prozent als nützlich eingestuft werden.

Studienleiter David Pfarrhofer von market erklärt den Unterschied so: "Die Österreicher sind mit der Schule an sich zufrieden - aber das Gefühl, dass dort auch viel ,Ballast‘ gebüffelt werden muss, hat eben fast jeder Zweite, der Kinder in der Schule hat. Wir haben zur Kontrolle auch junge Leute gefragt, die selbst noch in der Schule sind oder sie gerade erst abgeschlossen haben, ihr Bild von den Lerninhalten deckt sich fast auf den Prozentpunkt mit dem der Eltern." (DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 12./13.1.2002)

Von Conrad Seidl
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