Betrugsprozess gegen Kärntner Herzspezialist

11. Jänner 2002, 15:56
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Für Dienstleistungen mit Patienten privat abgerechnet

Klagenfurt - In seiner zweiten Einvernahme vor einem Schöffensenat am Freitag am Landesgericht Klagenfurt blieb der wegen 57-fachen, schweren gewerbsmäßigen Betruges angeklagte, bekannte Herzchirurg aus der Landeshauptstadt bei seiner bisherigen Verantwortung: "Ich bin unschuldig. Ich nahm an, ich dürfte privat mit den Patienten abrechnen." Insgesamt 1,47 Millionen Schilling (107.050 Euro) soll der Arzt erhalten und weitere 804.000 Schilling (58.430 Euro) gefordert haben.

Für kurze Gespräche am Gang Geld verlangt

Auf den Vorwurf von Staatsanwältin Gebriele Lutschounig, er habe für kurze Gespräche am Gang des LKH Klagenfurt von den Patienten zwischen 500 Schilling (36 Euro) und 1.500 Schilling (109 Euro) verlangt, antwortete er: "Der Bau meiner Privatordination hatte sich verzögert, anders war der Kontakt mit den Patienten nicht möglich."

Angeklagter: Jeder bekam sein Wunschzimmer

Richterin Michaela Wietrzyk interessierte sich für die Bettenvergabe an seiner Station: "Haben sie ihre Privatpatienten dabei bevorzugt?" Der Primarius entgegnete ganz allgemein: "Jeder, der darum bat, bekam sein Wunschzimmer, wenn es möglich war. Bei Platzmangel kam es auch vor, dass normale Patienten in der Sonderklasse untergebracht wurden. So macht man sich in der Bevölkerung beliebt." Zum Vorwurf der Zusatzeinkommen äußerte sich der Arzt folgend: "Ich hatte als Primarius gar nicht die Zeit, mein Gehalt auszugeben, fuhr einen Gebrauchtwagen und lebte in einer Zweizimmerwohnung." Für Operationen in Rumänien und Bulgarien hätte er nichts bekommen, da es humanitäre Hilfe gewesen sei.

Feilschen um Gelbeträge

Danach kommentierte der Primarius die ersten Zeugenaussagen vor dem Untersuchungsrichter, die folgend und ähnlich lauten: "Er verlangte Geld für persönliche Behandlung, versprach lebensrettende neue Operationen und feilschte um Summen." "Absurd", "völlig haltlos", "einfach falsch" dazu die Aussagen des Arztes. Patienten würden sich bei Daten, Terminen und Vorgängen irren. "Außerdem operierte ich jeden, auch wenn er nichts zahlte." Einige der Vorwürfe konnte er zerstreuen - vorläufig jedenfalls, denn im kommenden Verhandlungsblock werden die Zeugen nochmals aussagen.

Der Prozess wird am Montag um 09.00 Uhr mit der Zeugeneinvernahme des medizinischen Direktors des LKH Klagenfurt, Anton, Suntinger, fortgesetzt.(APA)

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