Argentiniens Peso nach Freigabe abgestürzt

12. Jänner 2002, 14:44
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Proteste und lange Schlangen vor den Wechselstuben

Montevideo - Eine Woche nach seinem Amtsantritt gerät Argentiniens Präsident Eduardo Duhalde unter enormen Druck. Am Freitag endeten die seit 21. Dezember geltenden Bankferien, für den Peso galten nun zwei Umtauschraten. Für den Außenhandel wurde der Peso zum Kurs von 1,40 pro Dollar getauscht, auf dem freien Markt mussten zwischen 1,60 und 1,75 Peso pro Dollar gezahlt werden. Vor Banken und Wechselstuben bildeten sich lange Schlangen.

Laut Insidern hatte die argentinische Zentralbank Anweisung, Dollar zu verkaufen, um den Kurs auf dem freien Markt zu stützen. Die Regierung hofft, dass sich der Kurs mittelfristig angleicht und dann ganz freigegeben werden kann. Wirtschaftsexperten und Internationaler Währungsfonds (IWF) haben das duale Währungssystem scharf kritisiert. Der IWF will nur bei einem drastischen Sparprogramm und der kompletten Wechselkursfreigabe helfen.

Wenig Anklang

Wenig Anklang fand die Wirtschaftspolitik auch bei der Bevölkerung. In der Nacht zum Freitag protestierten über 10.000 Menschen in der Hauptstadt mit Trommeln und Töpfen gegen Regierung und Obersten Gerichtshof. "Diebe, gebt uns unser Geld zurück!", rief ein Mann.

Andere Teilnehmer bezeichneten die Regierung als "Mafia". Erbost waren die Bürger über die Beibehaltung der Kontrollen im Bargeldverkehr und das Einfrieren ihrer Sparguthaben. Bis auf weiteres dürfen die Argentinier nur 1500 Pesos oder 1000 Dollar pro Monat bar von ihren Konten abheben. Sparer und Inhaber von Festgeldkonten in Pesos bekommen ab März ihre Einlagen in Raten zurück, Dollaranlagen, die gut 70 Prozent der Sparguthaben ausmachen, bleiben hingegen mindestens ein Jahr eingefroren und werden anschließend in Raten ausbezahlt.

Ausschreitungen

Als die Polizei gegen drei Uhr morgens die Demonstration auflöste, kam es zu Ausschreitungen. Einige Randalierer zertrümmerten Telefonzellen, beschmierten Banken und zerschlugen Fensterscheiben. Auch der Oberste Gerichtshof, der als politisiert, korrupt und regierungstreu gilt, geriet in die Kritik. Das Oberste Gericht hatte nicht nur die Kapitalverkehrskontrollen abgesegnet, sondern auch das Verfahren wegen Waffenschmuggel gegen Ex-präsident Carlos Menem niedergeschlagen.

Wenig Anklang bei der Bevölkerung fand zudem die Entscheidung Duhaldes, seine Frau zur Sozialministerin zu ernennen. Duhaldes Kabinett besteht damit zu zwei Dritteln aus Weggefährten seiner Zeit als Provinzgouverneur von Buenos Aires. Rücktrittsforderungen bezeichnete Duhalde als Destabilisierungsversuche. "Wir sind Schritt für Schritt immer weiter nach unten gefallen: Rezession, Depression, Anarchie und Chaos. Ein Schritt weiter wird ein Blutbad erzeugen", warnte er. (Sandra Weiss, DER STANDARD, Printausgabe 12.1.2002)

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