Wien: Mitbewohnerin getötet und im Hochsommer neben Leiche gelebt

11. Jänner 2002, 16:16
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15 Jahre Haft wegen Mordes - Nicht rechtskräftig

Wien - Die Nachbarn wunderten sich über den penetranten Gestank, der aus einer winzigen Ein-Zimmer-Wohnung in Wien-Favoriten drang. Als die Feuerwehr am 4. August 2001 die Tür aufbrach, stießen sie unter einem Berg von Gewand auf die verweste Leiche einer 56-jährigen Frau. Die Frau war bereits am 18. Juli mit zahlreichen Messerstichen getötet worden. Am Freitag wurde ihr Mitbewohner Harald S. (34) im Straflandesgericht wegen Mordes zu 15 Jahren Haft verurteilt.

Der Tischler war auf Grund seines erheblichen Alkoholkonsums "abgestürzt": Seine Ehe scheiterte, er verlor die Wohnung, ging aber immerhin noch arbeiten. Eines Tages lernte er in einem Wirtshaus die ältere, allein stehende Frau kennen. Aus Mitleid nahm sie ihn bei sich auf, "für ein paar Tage", wie es zunächst hieß.

Schließlich entwickelte sich eine Art Mutter-Sohn-Verhältnis. Therese Maria U. kochte und wusch für den 34-Jährigen, dafür weckte sie ihn oft schon am frühen Morgen, um ihm ihr Herz auszuschütten. Dann haben Streitereien begonnen.

Der letzte Streit endete mit dem Tod der Frau. "Ich habe Rot gesehen. Ich wollte ein für alle Mal Ruhe...", erklärte der Mann.

Staatsanwältin Natascha Michel hingegen gab vorerst keine Erklärung ab. Die Strafe ist daher nicht rechtskräftig.(APA)

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