Rabenhof "null2wei"

18. Jänner 2002, 12:08
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Houellebecq, Schwab und Phettberg: der "Aggression und Unterhaltung" verpflichtet

Wien - Der "Aggression und Unterhaltung" verpflichtet startet das Theater im Rabenhof in die Saison "null2wei", deren Programm Intendant Karl Welunschek und sein Team um den kaufmännischen Direktor Gernot Lechner und den Chefdramaturgen Jochen Herdieckerhoff nun präsentierten.

"Die wahren Unterhaltungsgenies dieses Landes"

Einen "sehr erweiterten Begriff von Theater" will das "Wiener Stadttheater" transportieren, so Herdieckerhoff. Da Serienmörder "die wahren Unterhaltungsgenies dieses Landes" gewesen seien, bringt man zur Eröffnung das gleichnamige Stück von Thomas Gratzer um Franz Fuchs, Udo Proksch, Jack Unterweger und andere. In der Regie von Helmut Schödel spielen Hilde Sochor, Martin Puntigam, Heribert Sasse und (voraussichtlich) Hanno Pöschl.

Einmal im Monat besucht ab März "Die liebe Familie" den Rabenhof in Erinnerung an das gleichnamige ORF-Stegreif-Spiel. Ab April gibt es dann "Der Himmel mein Lieb meine sterbende Beute" von Werner Schwab. Wiederaufgenommen werden "Cafe Tamagotchi", "Sissi - Beuteljahre einer Kaiserin", "Die Präsidentinnen" sowie H. C. Artmanns "Erlaubent, Schaas, sehr heiß bitte" - sowie "eine bunte Mischung von Programmen zwischen Trash, Kabarettistischem, Satire und Diskussion - Theater außerhalb unserer Schulweisheit", so die Programm-Gestalter.

Von Houellebecq bis Phettberg

Für seinen ersten Österreich-Auftritt gewann man den französischen Starautor Michel Houellebecq, der am 10. 2. aus seinem neuen Roman "Plattform" liest. Wieder im Rabenhof sind "The Tiger Lillies" mit ihren "Circus Songs" (26. 1.). In der Opernball-Nacht (7. 2.) trifft der "Ball des schlechten Geschmacks" die legendäre "Russendisko" des Wahlberliners Wladimir Kaminer.

Zum Auftakt einer neuen Serie stiftet Hermes Phettberg an einem Mediationsabend für Wolf Martin und sein deutsches Gegenüber Wiglaf Droste "Frieden" (erstmals: 27. 1.). Der Kriminalpsychologe Thomas Müller, der unter anderem das Täterprofil in der Briefbomben-Causa erstellte, bietet in seinem viel versprechenden "Tätertheater" "ganz neue Einsichten" (Herdieckerhoff) in die Beweggründe der Figuren. Bekannte Kabarettisten in ungewohnten Programmen werden auch geboten: Zum Auftakt (20. 2.) liest Josef Hader unter dem Titel "... desto nackerter steht man da." Interviews von Thomas Bernhard.

Leichtere Muse

Oliver Baier interpretiert in "Das Leben ist ein Schlager" (ab 27. 2.) die "Perlen" deutscher (Schlager-)Dichtkunst. Und die wirklich brennenden Fragen klären die Doppelabende "Sex oder Fußball?", bei denen gleichzeitig eine Männerrunde um Armin Thurnher und Dirk Stermann über Fußball und ein Damen-Quartett über "Frauen im Verkehr" sprechen. "Je nach Erregungsgrad" (Herdieckerhoff) können die Zuseher zwischen den Diskussionen wechseln.

"Wer mehr Theater produzieren soll, braucht mehr Geld", meinte Welunschek zum Budget. Mit "an die" 870.000 Euro (rund 12 Millionen S) beliefen sich die Fixkosten. Der Rabenhof habe nun die finanzielle Basis für die künstlerische Arbeit seitens der Stadt Wien - der Bund solle allerdings noch "eingebunden" werden. (APA)

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