Mischen possible

14. Jänner 2002, 13:30
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Weniger glamouröse Shows, deutlich mehr Sicherheitskontrollen und ein automobiler Megatrend namens "Crossover" - so präsentiert sich die Detroit Auto Show 2002. Eine Ansichtssache.


Hunde, die Taschen auf Sprengstoff abschnüffeln, Sicherheitsbeamte, die penibel kontrollieren: Mit enormem Aufwand zollt die North American International Auto Show 2002 (12.-21. Jänner in Detroit) der Angst vor neuen Anschlägen Tribut. Drinnen, in den Hallen des Cobo Centers, demonstriert die Industrie, dass man nicht gewillt ist, sich in die Knie zwingen zu lassen.

Anfällige US-Autoriesen

Dass die Branche von der Rezession nicht verschont bleibt, lässt sich aber nicht verleugnen. Besonders anfällig: die US-Autoriesen. Weniger Chrysler, die haben die Krise schon wieder fast hinter sich, eher Ford und General Motors. Was soll man davon halten, wenn Ford zur "Hausmesse" nicht viel mehr einfällt als ein Pick-up-Showcar mit den Ausmaßen eines Sattelschleppers und ein Supersportwagen, der an die glorreichen 60er-Jahre erinnert.

GM setzt auch keine besonderen Vernunftakzente, versucht aber immerhin, den Marken wieder Profil zu verleihen. Cadillac hat messerscharfe Kanten, die Überdrüber-Sportwagenstudie "Cien" kommt daher wie ein Stealth-Bomber; Chevrolet macht auf rund und ein bisserl retro.

Promenadenmischungs-Megatrend

Insgesamt macht aber Chrysler mit einer Reihe seriennaher Studien erneut deutlich, wer in den USA beim Design das Sagen hat. Und bei neuen Konzepten: Der Pacifica, der 2003 kommt, ist ein "Segment-Buster". Sechs Sitzplätze in drei Reihen, sportlich-lifestylig, limousinenhafte Fahreigenschaften, variabel und geräumig wie ein Minivan, Allrad fürs Gelände: Das ist der Promenadenmischungs-Megatrend, der sich klar herauskristallisiert. Mit von der "Crossover"-Partie sind Mercedes (Grand Sports Tourer), Volvo (XC 90), Saab (9-3X) und VW (Magellan).

Selbstbewusste Europäer

Die Europäer, speziell die Deutschen, sind erneut enorm selbstbewusst. Überraschend zurückhaltend (angesichts des hohen Marktanteils), um nicht zu sagen: einfallslos, indes Japaner und Koreaner, sieht man von Toyota ab.

Man entdeckt außerdem die "Millenniumsgeneration", jene jungen Leute, die ins autoerwerbsfähige Alter kommen. Die wollen, heißt es, freizeitorientierte Technik, aber ohne Knopferl-Firlefanz. (AUTOMOBIL, 11.1.2002)

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