AVL fährt Doppelstrategie

11. Jänner 2002, 12:53
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In England, Osteuropa und Asien sollen Engineering-Zentren auf-, ausgebaut und vernetztwerden, Projekte sollen nach Graz fließen

Graz - Eine Doppelstrategie werde man in der künftigen Geschäftsentwicklung fahren, so AVL-Chef Helmut List in in einer Pressekonferenz am Freitag in Graz anlässlich seines 60. Geburtstages. In England, Osteuropa und Asien würden Engineering-Zentren auf- und ausgebaut und vernetzt, während "die Projekte nach Graz fließen sollen". Weiters werde am Standort Graz stark ausgebaut: Über 70 Mill. Euro (1 Mrd. S) werden in den Ausbau von Labors und Räumlichkeiten in Graz sowie in eine neues Applikationszentrum fließen. List erklärte, es gehe darum, die Bereiche Motor und Antrieb so auszurichten, dass es den Menschen "In Richtung Symbiose" entgegen komme.

Engineering-Zentren müssten vor Ort bei den Kunden aufgebaut werden, so List. In Indien tue man das etwa für Kunden, die auf den Subkontinent gehen, in China zur Betreuung des riesigen Marktes. In den kommenden Jahren würden außerdem die Zentren in Osteuropa und England erweitert und vernetzt. Hier setze man auf Kostenmix: High-Tech bleibe in Graz, die Zentren im Osten würden erweitert. Schon jetzt habe man dort rund 200 der 2400 Mitarbeiter im Unternehmen. Die starke Vor-Ort-Präsenz definierte List einen der Motoren des Wachstums von AVL, das in den vergangenen Jahren bei rund 15 Prozent gelegen habe. Die Expansion werde natürlich auf die Konjunktur angestimmt. In Graz habe man die Hälfte der ehemaligen Waagner-Biro-Gründe erworben, dort werde man in Neubauten Antrieb, Simulation und Software unter einem Dach zusammenfassen.

Schadstofffreie Verbrennungsmotoren

"Unser Ziel ist es, die Verbrennungsmotoren praktisch schadstofffrei zu machen", erklärte List, in zehn bis fünfzehn Jahren sei das zu erreichen. Wiewohl man die Wasserstoff-Brennzelle weiter in der Entwicklung auch selbst verfolge, rechne er, List, nicht damit, dass diese sich etwas Anderes werde als eine Energiequelle "on board". Der Unternehmer will dabei ein Gewicht auf den Menschen legen: Mit "Drivability" versuche man den Brückenschlag "zwischen dem, was wir schaffen und dem Fahrgefühl und Empfinden des Menschen". "Der Mensch ist das Maß aller Dinge, dies soll auch schon bei der Konzeption einfließen", meinte List. "Letztlich ist der Mensch der Käufer, und ein Auto will auch verkauft werden."

Die Arbeitskräftelage in Österreich beurteilte List als gut: "Gut ausgebildete und flexible Fachkräfte". In der Ausbildung brauche man aber mehr Internationalität, vor allem bei der Weltsprache Englisch: "Diesen natürlichen Vorteil darf man Amerikanern und Briten nicht überlassen". Forschung und Ausbildung seien ein wesentlicher Faktor, um exportstark zu sein. Die "KMU-Euphorie in Österreich" teile er nicht, so List: "Es geht vielmehr darum, die Klein- und Mittelbetriebe mit den Forschungszentren der großen Unternehmen zu koppeln - so hebt man Netzwerke auf den Weltmarkt." Aus den drei Säulen Forschung, Ausbildung und Infrastruktur dürfe sich die Politik nicht abkoppeln, meinte List. Tue sie dies nur bei einer Säule, brächen alle anderen zusammen. (APA)

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