Betrug im Cyberspace: Die Täter haben ihr Gesicht verloren

11. Jänner 2002, 09:48
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Zentralstelle zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität warnt vor Leichtgläubigkeit

Das Problem ist brisant, die Möglichkeiten, dagegen etwas zu unternehmen, sind beschränkt: Internationale Finanzbetrüger wickeln ihre Machenschaften immer häufiger im Cyberspace ab. Das stellt enorme Herausforderungen für die Ermittlungsbehörden dar. Die Täter hinterlassen keine Spuren in Form von Fingerabdrücken oder Originaldokumenten, werden nicht durch geographische Grenzen aufgehalten und sind keinem bestimmten Ort zuzuordnen. Kriminelle können eine Organisation bilden, ohne sich irgend wo zu treffen. Traditionell auf Repression abzielenden Maßnahmen der Strafverfolgungsbehörden verlieren an Effizienz. "Jetzt geht es um Prävention und Bewusstseinsbildung", heißt es bei der Zentralstelle zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität des Innenministeriums.

Vielfältige Möglichkeiten

"Die Maschen, mit denen Finanzbetrüger Opfer ködern und um ihr Geld bringen, sind seit Jahren dieselben", erläutert Mag. Karl Lesjak von der Zentralstelle im Gespräch mit der APA: Der Handel mit gefälschten Bankgarantien, Vorauszahlungsbetrug, der Verkauf von wertlosen oder hochspekulativen Finanzprodukten, betrügerische Investment-Programme oder zum Beispiel die "Einladung" an Leichtgläubige, sich an Trading Programms zu beteiligen. Diese, so wird den Betroffenen vorgegaukelt, sind so gewinnträchtig, dass sie nur von internationalen Großbanken quasi geheim durchgeführt werden, damit diese die Erträge in die eigene Tasche stecken können.

Leere Versprechen

Tatsächlich existieren solche Trading Programms nicht. "Die Betrüger versprechen so unwahrscheinlich hohe Renditen, dass allein der Hausverstand sagen müsste: 'Das ist zu schön, um wahr zu sein'", sagt Lesjak. "So lange die Leute alles glauben, kämpfen wir auf verlorenem Posten."

Legitimationen

Die Bekämpfung derartiger Betrügereien, die via Cyberspace abgewickelt werden, würde unter anderem die weltweite Zusammenarbeit der Strafverfolgungsbehörden voraussetzen. Diese existiert bei weitem nicht. Verschärft wird das Problem durch die Tatsache, dass die Ressourcen der Ermittler beschränkt sind und Computerkriminalität in manchen Ländern mangels entsprechender Gesetze gar kein strafbares oder auslieferungsfähiges Delikt ist. "Unser Wissen bezüglich der Erscheinungsformen der Computerkriminalität sind top", sagt Lesjak, "unsere Möglichkeit, dagegen aufzutreten, beschränkt. Denn dazu bräuchten wir genügend Mitstreiter." Die Erfahrungen der Kriminalisten: Die Ermittlungen ziehen sich über Jahre, manche werden nie abgeschlossen. Auf der Strecke bleiben zwangsläufig die Betrogenen.

Tipps der Zentralstelle:

- Immer den Hausverstand gebrauchen: Ist das Angebot realistisch?
- Die Hausbank einschalten
- Selbst Infos einholen, zum Beispiel bei der Wirtschaftskammer
- Nicht nur auf Internet-Daten vertrauen. Prüfen, ob eine Firma tatsächlich exisiert
- Vorsicht bei der Weitergabe von Daten, etwa einer Kreditkartennummer
- Nicht überhastet Geschäfte abschließen - hohe Rendite bedeutet hohes Risiko.
(APA)

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