Analysten sehen Zinssenkungen und Gewinnmitnahmen nach Greenspan-Rede

14. Jänner 2002, 12:23
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Zinssenkung auch in Euroland wahrscheinlicher

Wien - Eine nochmalige Zinssenkung der US-Notenbank bereits am 30. Jänner ist laut heimischen Analysten nach der freitägigen Rede von Fed-Chef Alan Greenspan ziemlich wahrscheinlich geworden. Zugleich sei auf den Aktienmärkten mit Gewinnmitnahmen zu rechnen. Wie berichtet, warnte Greenspan bei einem Vortrag in San Francisco davor, dass nach wie vor "signifikante" Risiken bestünden, die kurzfristig den Aufschwung der US-Wirtschaft dämpfen könnten.

Die Aussagen Greenspans stellten die Stärke beziehungsweise Nachhaltigkeit der Konjunkturerholung an sich - und somit die hinter den liquiditätsgetriebenen Kusanstiegen liegende, mittelfristige Fantasie - in Frage, kommentiert der Volkswirtschafs- und Finanzmarktexperte der Raiffeisen Zentralbank (RZB), Valentin Hofstätter. Diese Tatsache dürfte eine erhöhte Korrekturgefahr für die Aktienmärkte mit sich bringen, da die hohen Bewertungen letztendlich auf einer sehr positiven Annahme der Stärke und Nachhaltigkeit der Konjunkturerholung vor allem im zweiten Halbjahr 2002 sowie 2003 basierten, begründet Hofstätter.

Zinssenkung auch in Euroland wahrscheinlicher

"Schwergewicht Greenspan scheint aber nach wie vor geldpolitische Lockerung für notwendig zu halten. Daher bleiben wir bei unserer Einschätzung einer Senkung um 25 Basispunkte am 30. Jänner", so Volkswirtschaftsexpertin Veronika Lammer von der Erste Bank. Da in den USA der Zinszyklus noch nicht beendet erscheint, steige auch die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinssenkung in Euroland, meint Lammer.

Laut RZB werden die besten Performer nach einer Rezession die Branchen Energie und Industrie in den USA sowie Energie und Gesundheit in Europa sein. Die schlechtesten Performer nach einer Rezession sollte demnach zyklischer Konsum und Technologie in den USA und zyklischer Konsum und Versorger in Europa sein.

Greenspan dämpfte Hoffnungen

Der Vorsitzende des Federal Reseve Board (FED) der USA, Alan Greenspan, hat am Freitag allzu optimistische Erwartungen über ein Durchstarten der US-Konjunktur gedämpft. Bei einem Vortrag in San Francisco warnte er davor, dass nach wie vor "signifikante" Risiken bestünden, die kurzfristig den Aufschwung der US-Wirtschaft dämpfen könnten. Vor diesem Hintergrund sei es auch zu früh, einen bevorstehenden Konjunkturaufschwung zu bestätigen. Wenngleich es in jüngster Zeit einige ermutigende Wirtschaftsdaten gegeben habe, warnte Greenspan davor, dass es sich hierbei nur um eine vorübergehende Entwicklung handeln könnte.

Die neueren Daten würden allein darauf hinweisen, dass sich der Zustand der US-Konjunktur von "schlecht" auf "gemischt" geändert habe. Um eine deutlich bessere Entwicklung zu verzeichnen, muss nach Einschätzung von Greenspan die gesamtwirtschaftliche Nachfrage anziehen. Danach könnte dann von dem abgeschlossenen Lagerbestandsabbau ein neuer expansiver Impuls über einen Lageraufbau kommen.(APA)

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