Tausende demonstrieren in Buenos Aires gegen Politik Duhaldes

11. Jänner 2002, 16:09
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Peso erstmals wieder ohne Dollar-Bindung gehandelt - Menem kritisiert Wirtschaftskurs scharf

Buenos Aires - Zehn Tage nach dem Amtsantritt von Eduardo Duhalde haben in Buenos Aires Tausende Menschen gegen die Wirtschaftspolitik des argentinischen Übergangspräsidenten protestiert. Die Polizei löste die größte Demonstration am frühen Freitagmorgen auf. Die Beamten setzten Wasserwerfer und Tränengas ein, um die Menschen von dem zentralen Platz vor dem Präsidentenpalast zu vertreiben. Ex-Präsident Carlos Menem, der wie Duhalde den populistischen Peronisten angehört, kritisierte die vom Staatschef angeordnete Abwertung des Peso. Am Freitag wurde die argentinische Währung erstmals wieder frei gehandelt.

Die Demonstranten forderten die Regierung auf, Bargeldabhebungen von ihren Konten freizugeben. Sie zogen in der Nacht zum Präsidentenpalast und bekundeten ihren Unmut, indem sie auf Töpfe und Pfannen schlugen. Jugendliche verwüsteten mehrere Bankfilialen, Läden wurden geplündert. Vier Menschen wurden festgenommen. "Wenn die Regierung die Krise nicht bald bewältigt, wird es Gewalt geben", sagte eine 43-jährige Frau. Zuvor hatte Präsident Duhalde vor einem "Blutbad" gewarnt. Einen Rücktritt wegen der Proteste lehnte er jedoch ab.

Beschränkung gelockert

Die Regierung hatte am Mittwoch die Beschränkung für Barabhebungen gelockert. Die Bürger dürfen künftig monatlich bis zu 1500 Peso (1190 Euro) von Konten abheben, auf denen Gehälter und Renten eingehen. Die zurückgetretene Mitte-Links-Regierung von Präsident Fernando de la Rua hatte Barabhebungen Anfang Dezember auf 1000 Peso monatlich beschränkt.

Menem kritisierte Duhaldes Wirtschaftskurs scharf. Der Staatschef habe einen "strategischen Irrtum" begangen, der der wirtschaftlichen Stabilität den Todesstoß versetze. Am Sonntag hatte die argentinische Regierung die seit mehr als zehn Jahren an den Dollar gekoppelte Landeswährung Peso deutlich abgewertet.

"Deppen"

Einige Tage zuvor hatte Menem bereits in einem Interview Duhalde und seine Mannschaft als "Deppen" bezeichnet. Beide Politiker gehören derselben Partei an, den Peronisten, sind aber seit langem verfeindet.

Duhalde hatte sein Amt am 1. Jänner angetreten. Schwere Proteste mit dreißig Toten hatten im Dezember zum Rücktritt der Regierung von De la Rua sowie der ersten Übergangsregierung unter Duhaldes Parteifreund Alfredo Rodriguez Saa geführt. (APA/dpa)

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