Israel zerstört palästinensischen Flughafen

11. Jänner 2002, 23:39
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Vergeltungsaktionen für Überfall auf Armeestützpunkt und versuchten Waffenschmuggel

STANDARD-Korrespondent Ben Segenreich aus Tel Aviv

Ein Vorstoß auf den palästinensischen Flughafen am Freitag und die vorangegangene Häuserdemolierung im selben Gebiet wurden in Israel erst als Beginn einer Serie von Vergeltungsaktionen für den Überfall auf eine Armeestellung und den versuchten Waffenschmuggel bezeichnet.

Premier Ariel Sharon kündigte eine Regierungsdebatte "über das Verhältnis Israels zur Palästinensischen Behörde im Lichte ihrer Verwicklung in den Terror" an - Arafat könnte nun, so wurde spekuliert, ausdrücklich zum "Feind" erklärt werden, nachdem er zuvor als "irrelevant" abgetan worden war.

Erst vor zwei Wochen repariert

Auf dem internationalen Flughafen bei Rafach, einem Symbol des palästinensischen Unabhängigkeitsstrebens, zerstörten israelische Bulldozer unter dem Schutz von Panzern wieder die Startbahn - sie war erst vor zwei Wochen repariert worden, nachdem sie in einer identischen Operation im Dezember durch tiefe Furchen unbenutzbar gemacht worden war. Zudem schnitten die Israelis durch Blockaden den Raum von Rafah vom restlichen Gazastreifen ab. Das Signal ist im Zusammenhang mit der Waffenaffäre deutlich - der südliche Gazastreifen gilt als Drehscheibe für den Schmuggel von Waffen.

Nachdem israelische Geheimdienstleute in Washington ihre Unterlagen über das im Roten Meer abgefangene Waffenschiff vorgelegt hatten, schienen die USA in einem Dilemma - denn nach einer ausdrücklichen Schuldzuweisung an Arafat gäbe es auf palästinensischer Seite keine Adresse für die Vermittlungsmission Anthony Zinnis. Laut Außenminister Colin Powell ist es "klar, dass es Verbindungen zur Palästinensischen Behörde gibt", doch "ich habe noch keine Information gesehen, die das direkt mit Arafat verbindet".

Auch Präsident George Bush verstärkte den Druck: "Arafat muss den Terror aufgeben, muss jene zurückweisen, die den Friedensprozess durch Terror unterbrechen wollen - es ist an ihm zu entscheiden." Sharon bleibt dabei, dass Arafat Ramallah nicht verlassen darf und Verhandlungen vorläufig nicht infrage kommen: "Er muss sofort jene verhaften lassen - sie befinden sich in seinem Hauptquartier -, die mit dem Waffenkauf befasst waren."

(DER STANDARD, Printausgabe, 12.1.2002)
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