Belfast hofft auf Beruhigung

11. Jänner 2002, 14:49
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Zahlreiche Verletzte und Festnahmen bei Straßenschlachten um katholische Schule

Belfast - Nach einer erneuten Nacht der Gewalt auf den Straßen Belfasts hat am Freitag eine katholische Schule ohne Gegendemonstrationen den Unterricht wieder aufgenommen und damit Hoffnungen auf eine Beruhigung der Lage genährt.

In der Nacht waren während Straßenschlachten zwischen protestantischen und katholischen Demonstranten einerseits und Polizei und Militär anderseits elf Menschen festgenommen worden. 34 Ordnungshüter wurden verletzt, als die Demonstranten mit Benzinbomben, Säurebehältern und anderen Wurfgeschossen auf sie losgingen. Zahlreiche Autos wurden angezündet.

48 Polizisten und Soldaten verletzt

Es war bereits die zweite Nacht in Folge, in der Belfast von schweren Unruhen erschüttert wurde. Schon in der Nacht zum Donnerstag waren 48 Polizisten und Soldaten verletzt worden.

Die katholische Schule zum Heiligen Kreuz, die innerhalb eines protestantischen Viertels liegt und schon seit Sommer Zentrum hasserfüllter Proteste loyalistischer Bewohner gegen "republikanische" Schulkinder ist, nahm am Freitag den Unterricht ohne Gegendemonstrationen am Schulweg wieder auf. Am Donnerstag hatte die Schule wegen schwerer Straßenschlachten in unmittelbarer Nähe geschlossen.

Hoffnung auf Wende

"Vielleicht ist dies ein Wendepunkt und die Menschen sehen ein, dass wir etwas Ruhe brauchen", sagte ein leitender Polizeibeamter zum Ausbleiben von Gewalt vor der Schule. "Es gibt noch viele Möglichkeiten für Ärger, aber wenigstens können wir erst einmal durchatmen." Polizei und Armee bleiben in hoher Alarmbereitschaft.

Am Donnerstag hatten zunächst vier Männer den Parkplatz einer katholischen Schule überfallen, dort 17 geparkte Autos zertrümmert und damit die Spannungen erheblich verschärft. Die Schule befindet sich in der Nähe der katholischen Schule zum Heiligen Kreuz, die schon seit dem Sommer ein Zentrum von probritisch-protestantischer Gewalt gegen republikanische Katholiken geworden ist.

Konflikte brechen seit Jahren gewaltsam auf

Nordirland wird seit Jahrzehnten zerrissen von gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen protestantischen Unionisten, die den Verbleib der Provinz Nordirland bei Großbritannien sichern wollen, und den katholischen Nationalisten, die für den Anschluss Nordirlands an die Republik Irland sind. Besondere Brisanz hat der Konflikt in jenen Teilen Nordirlands, wo es eine hohe Arbeitslosigkeit sowie einen harten Wettbewerb um Arbeitsplätze und Wohnraum gibt.

Mit dem 1998 unter britischer, irischer und US-Vermittlung geschlossenen Nordirland-Friedensabkommen sollte der Konflikt, der mehr als 3600 Menschen das Leben gekostet hat, beendet werden - bisher mit wenig Erfolg. (APA/dpa/Reuters)

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