Das "postchristliche" Tschechien als Zukunftslaboratorium

10. Jänner 2002, 21:49
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Ein Staat mit 25 Prozent Christen und über 72 Prozent Konfessionslosen

Bonn/Prag - Zu einem "Zukunftslaboratorium" für Kirche und Theologie könnte nach Einschätzung des Linzer Ethikers Helmut Renöckl Tschechien werden. - Denn in Tschechien haben traditionelle Kirche und Christentum Boden verloren wie kaum irgendwo anders.

Zahlen

Bei der Volkszählung 2001 bekannten sich deutlich weniger Tschechen zum Christentum als 1991, unmittelbar nach der politischen Wende. Der Anteil der Christen an der Bevölkerung fiel von rund 45 auf 25 Prozent. 72,6 Prozent bezeichneten sich bei der Erhebung vom Vorjahr als konfessionslos, nur noch 22,4 Prozent als katholisch (1991: 39 Prozent) und 2,3 Prozent als evangelisch (1991: 2,5 Prozent). Die Hussiten kamen auf 0,6 Prozent gegenüber 1,7 vor einem Jahrzehnt. Der Anteil der "praktizierenden Katholiken" sei, so Renöckl, noch wesentlich geringer und regional unterschiedlich verteilt.

Erhebungen zeigen außerdem, dass sich in der Altersgruppe der 15- bis 19-Jährigen nur noch sechs Prozent zur katholischen Kirche bekennen, in der Gruppe der 20- bis 29-Jährigen sind es 17 Prozent. Nur bei den über 60-Jährigen komme die katholische Kirche noch auf 42 Prozent. Gleichzeitig gebe es ein zunehmendes, wenn auch diffuses Interesse für Transzendentes und Religiöses, "bekennende" Atheisten würden immer weniger, berichtet der Ethiker. (APA)

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