Indien schließt Atomkrieg nicht aus

11. Jänner 2002, 14:25
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Falls ein nuklearer Angriff Pakistans erfolgt

Neu Delhi - Der indische Armeechef hat vor einem möglichen Krieg mit Pakistan gewarnt. General S. Padmanabhan sagte am Freitag in Neu Delhi, die indische Armee sei zu einem konventionellen Krieg bereit, aber auch zu einem atomaren Antwortschlag, wenn Pakistan mit Atomwaffen angreifen sollte.

"Wenn zwei Länder ihre Truppen mobilisieren und an der Grenze aufstellen, ist das nicht normal", fügte er hinzu. Die Lage sei ernst, alles hänge "von den Umständen" ab. Zugleich betonte Padmanabhan, die indische Armee werde nicht durch ihre Aktionen an der Grenze einen Krieg auslösen. Die Entscheidung darüber treffe die Regierung. Der Armeechef warnte Pakistan vor dem Einsatz von Atomwaffen. Dies würde Indien "so hart bestrafen", dass jede weitere Form des Kampfes unwahrscheinlich und dass ein Überleben des angreifenden Landes zweifelhaft wäre.

Der General ließ keinen Zweifel daran, dass die indische Armee in der Lage sei, die Rebellenstützpunkte in Pakistan selbst anzugreifen. "Wir haben die Waffen, um sie zu erreichen, und wir können zusichern, dass Zivilisten dabei nicht verletzt werden."

Der indische Außenminister Jaswant Singh sagte im Fernsehen, er erwarte vom pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf eine klare Absage an die Gewalt und den "grenzüberschreitenden Terrorismus". Darauf müssten die entsprechenden Taten folgen, sagte Singh im Nachrichtensender Aajtak. Indien wirft Pakistan vor, Separatisten in der umstrittenen Kaschmir-Region zu unterstützen.

Hunderttausende Soldaten

Beide Staaten haben an der Grenze Hunderttausende Soldaten zusammen gezogen, die sich bereits täglich Schusswechsel liefern. Auslöser der gegenwärtigen Spannungen war ein Anschlag auf das indische Parlament im Dezember, für den Indien Moslemextremisten aus dem pakistanischen Teil Kaschmirs verantwortlich macht. Die Nachbarländer führten seit ihrer Unabhängigkeit 1947 bereits zwei Kriege um diese Region.

Die USA einem Zeitungsbericht zufolge unterdessen begonnen, die Verlegung ihrer Luftwaffe aus Pakistan vorzubereiten. Die von den USA genutzten Stützpunkte in Jacobabad und Pasni könnten wegen der anhaltenden Spannungen mit Indien von der pakistanischen Luftwaffe benötigt werden, berichtete die "Washington Post" am Freitag unter Berufung auf pakistanische Regierungskreise. Die US-Luftwaffe wolle vier Stützpunkte für ihren Einsatz in Afghanistan von Pakistan in andere zentral- asiatische Staaten wie Usbekistan und Kirgisistan verlegen.

Indiens Innenminister Lal Krishna Advani forderte Pakistan bei einem Besuch in den USA abermals auf, konsequent gegen moslemische Extremisten in Kaschmir vorzugehen. Taten seien gefragt, nicht nur Worte, sagte Advani in einem Fernsehinterview. "Indien hat derzeit kaum Vertrauen in Pakistans Haltung", fügte er hinzu. Er sehe keine wirkliche Änderung in der pakistanischen Haltung, höchstens eine Änderung der Taktik. (APA/Reuters)

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