Worldwatch-Institut fordert "Krieg" gegen Armut und Umweltzerstörung

11. Jänner 2002, 01:00
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" ... genauso aggressiv geführt und so gut finanziert wie der Krieg gegen den Terrorismus"

Washington - Das angesehene amerikanische Worldwatch-Institut fordert eine weltweite Offensive gegen Armut und Umweltzerstörung. "Dieser Krieg muss genauso aggressiv geführt und so gut finanziert werden wie der Krieg gegen den Terrorismus", sagte einer der Autoren der jüngsten Worldwatch-Studie über den Zustand der Welt, Gary Gardner. Der Bericht wurde am Donnerstag in Washington veröffentlicht.

Vorwürfe gegen Regierungen

Worldwatch wirft Regierungen vor, sie vernachlässigten die Umweltpolitik, zahlten zu wenig Entwicklungshilfe und täten nicht genug, um den Schuldenberg der ärmsten Länder abzubauen. "Trotz des Wohlstandes der 90er Jahre wächst der Abgrund zwischen Arm und Reich in vielen Ländern und untergräbt die soziale und wirtschaftliche Stabilität", sagte Worldwatch-Präsident Christopher Flavin.

Auf die Teilnehmer der Weltkonferenz über nachhaltige Entwicklung im September in Südafrika warte eine immense Aufgabe, sagte eine Autorin der Studie, Hilary French. "In Johannesburg werden wir feststellen, ob die Nationen der Welt dringende Probleme gemeinsam angehen können, oder ob sie auf dem Zerstörungspfad bleiben, der zu Armut, Umweltzerstörung, Terrorismus und Krieg führt," sagte French. "Die Delegierten täten gut daran, dieselbe Zielstrebigkeit an den Tag zu legen wie im Kampf gegen den Terrorismus", sagte Autor Gardner.

Verschlechterungen konstatiert

Vieles habe sich seit dem Umweltgipfel in Rio de Janeiro 1992 zum Schlechteren entwickelt, berichtet Worldwatch. So seien die Zahl der Aids-Toten in den 90er Jahren um das Sechsfache gestiegen, die Emissionen des Treibhausgases Kohlendioxid um neun Prozent. 27 Prozent der Korallenriffe seien inzwischen schwer beschädigt, verglichen mit zehn Prozent vor zehn Jahren.

Die Zahl der internationalen Umweltabkommen sei zwar auf mehr als 500 gestiegen, doch seien sie nicht sehr ambitiös und für ihre Überwachung werde nicht genug Geld bereitgestellt. "Das UNO-Umweltprogramm muss kämpfen, um sein 100-Millionen-Dollar-Budget zu erhalten, während die Militärausgaben der Regierungen weltweit gleichzeitig täglich mehr als zwei Milliarden Dollar betragen."

Wo bleibt das Geld?

Obwohl die weltweite Wirtschaftproduktion in den vergangenen zehn Jahren um 30 Prozent gewachsen sei, sei die staatliche Entwicklungshilfe von 69 Milliarden Dollar 1992 auf 53 Milliarden Dollar im Jahr 2000 zurückgegangen. Die Schuldenlast der ärmsten Länder sei trotz der Versprechungen von Rio um 34 Prozent auf 2,5 Billionen Dollar im Jahr 2000 gestiegen.

Positiv vermerkt das Institut, das heute weniger ozonschädliche Fluorchlorkohlenwasserstoffe produziert werden und weniger Menschen an Lungenentzündung, Durchfallerkrankungen und Tuberkulose sterben. Gute Noten erteilt Worldwatch auch für das Klima-Protokoll von Kyoto und das Verbot von zwölf gefährlichen Chemikalien. "Das Bewusstsein für Umweltfragen ist gewachsen, und in einigen Nischen wie Windenergie und organischer Landwirtschaft sind bemerkenswerte Fortschritte erzielt worden."

"... noch ist es nicht zu spät"

UNO-Generalsekretär Kofi Annan schrieb im Vorwort des Berichtes: "Die Weltkonferenz wird nicht umhinkommen festzustellen, dass die Realität in armen und reichen Ländern von den Zielen und Versprechungen von Rio weit entfernt ist. Es ist aber nicht zu spät, um Veränderungen überzeugender in Gang zu setzen." (APA/dpa)

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