Stürmische Aufwärtsentwicklung

10. Jänner 2002, 20:54
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Energie aus erneuerbaren Quellen gewinnt in Österreich eine immer höhere Bedeutung

Energie aus erneuerbaren Quellen gewinnt in Österreich eine immer höhere Bedeutung. Während der Ausbau der Wasserkraft an die natürlichen Grenzen stößt, kann die Windenergie mit zweistelligen Zuwachsraten aufwarten. Dies, obwohl in Österreich, im Vergleich etwa zur Nordsee, viel lauere Lüfterln wehen.

Dennoch sind die Zuwächse bei Windkraft auch in Österreich beachtlich. Gab es vor fünf Jahren 50 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 20 Megawatt (MW), liefen Ende des Vorjahres 150 Turbinen mit einer installierten Leistung von 90 MW.

Weil in Ostösterreich die besten Windverhältnisse herrschen, steht der Löwenanteil der Windräder in Niederösterreich, Wien und dem Burgenland. Die Turbinenwälder in der pannonischen Tiefebene sind das markanteste Zeichen des Booms bei Windenergie. Der leistungsstärkste Windpark (fünf Räder mit je zwei Megawatt) steht in Mönchhof im Burgenland.

Im Herbst wird Oberzeiring in der Obersteiermark Mönch-hof den Rang ablaufen. Die auf 1900 Metern gelegene 19,25-MW-Anlage ist zugleich das höchstgelegene Windkraftprojekt der Welt. Die Anlage, unweit vom Skigebiet Lachtal, soll mit elf Windrädern den Strombedarf von 15.000 Haushalten abdecken.

Zwar wird das Potenzial für Windenergie in Österreich von Experten auf bis zu zehn Prozent der Gesamterzeugung geschätzt, dem möglichen Quantensprung bei der Windenergie in Österreich stehen (wie in anderen Ländern) jedoch Raumplanung, Landschaftsbild, Anrainerinteressen und Naturschutz sowie nicht zuletzt die Interessen so prominenter Jagdpächter wie des Industriellen Friedrich Karl Flick entgegen.

Beispiel Burgenland: Für exakt 218 Windräder liegen Anträge auf dem Tisch des Landeshauptmannes Hans Niessl. Alle positioniert auf der so genannten Parndorfer Platte, einem Ausläufer der pannonischen Puszta zwischen Neusiedler See und der Staatsgrenze zur Slowakei.

In Eisenstadt hält sich die Lust zur Genehmigung der Propeller aber in Grenzen. "Man kann ja nicht die gesamte Parndorfer Platte mit Windrädern verstellen", begründet dies Niessl-Sprecher Christian Bleich. Weiters: Mit den beiden Windparks in Zurndorf und Mönchhof erreicht das Burgenland jene gesetzliche Deckelung von drei Prozent Windkraftstrom vom Gesamtauskommen, für die der Landesversorger deutlich höhere Einspeisetarife zahlt. Trotz aller Hürden steht der Windenergiegewinnung in Ostösterreich eine stürmische Zukunft ins Haus. So hat der burgenländische Landesversorger Bewag angekündigt, in den kommenden Jahren rund 110 Mio. EURO (1,5 Mrd. S) in Windkraft zu investieren. Finanziell unter die Arme greifen wird den Burgenländern die Energie Allianz als Vorleistung für den Beitritt von Bewag und Begas. In der EA haben Energie AG Oberösterreich, Linz AG, Wien Energie sowie EVN ihren Stromvertrieb zusammengelegt.

Wie gut sich Windenergie etabliert hat, lässt sich daran ablesen, dass neben kleinen privaten Gesellschaften auch die Energiekonzerne ehrgeizige Pläne in der Schublade haben. So will die EVN binnen drei bis fünf Jahren von derzeit 6,5 auf 100 MW kommen und sich so zum größten heimischen Betreiber mausern. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11. 1. 2002)

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