Constantia setzt seit November wieder auf Growth

16. Jänner 2002, 19:54
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Interview mit Elisabeth Staudner, Geschäfts- führerin der CPB KAG.

Elisabeth Staudner, Geschäftsführerin der Constantia Privatbank KAG sieht die wirtschaftliche Erholung im 2. Quartal kommen. Gefahr droht aber vor allem vom "Realitätscheck" und den amerikanischen Konsumenten bzw. eventuellen Krisen, die durch die aktuelle Situation in Argentinien ausgelöst werden könnten. Multi Manager Hedge Fonds Produkten gegenüber ist Sie sehr positiv eingestellt, seit Anfang November setzt Sie sogar verstärkt auf Growth Sektoren.

e-fundresearch: "Frau Mag. Staudner, in der Markteinschätzung Ihres Hauses gehen Sie von einem synchronen Aufschwung der Weltwirtschaft in diesem Jahr aus. Trotzdem sind für Sie Zinserhöhungen so bald nicht in Sicht. Ein ideales Bild für Aktien oder?"

Elisabeth Staudner: "Ein ideales Bild für Aktien vielleicht nicht, aber trotzdem sollten wir dieses Jahr positive Erträge an den Aktienbörsen erzielen. Ausgehend von der US-Wirtschaft wird sich die Weltwirtschaft ab dem 2. Quartal 2002 erholen, Europa sollte nachfolgen - Japan sieht etwas schlechter aus. Zinserhöhungen sehen wir maximal gegen Jahresende, weil wir nur von einer sehr langsamen ökonomischen Erholung ausgehen.

Die Arbeitslosenraten in den USA werden weiter anstiegen - die US-Notenbank wird daher die Zinsen nicht so schnell erhöhen. Mit der bereits erwähnten Wirtschafterholung sollte eine moderate Steigerung bei den Unternehmensgewinnen einhergehen, wir gehen hier von leicht zweistelligen Raten aus. Die Aktienmärkte sollten daher in Europa bzw. den USA so um die 10-15% zulegen - ein ziemlich normales Aktienjahr also in etwa."

e-fundresearch: "Wann denken Sie also wird sich die Konjunktur in den USA bzw. in Europa erholen bzw. mit welcher Vorlaufzeit werden die Börsen darauf reagieren?"

Elisabeth Staudner: "Wir gehen definitiv von einer Konjunkturerholung ab dem 2. Quartal 2002 aus. Europa wird wahrscheinlich dann mit Beginn des 3. Quartals nachziehen. Die Börsen hingegen haben eine Vorlaufzeit von etwa einem halben Jahr - die Reaktion der Börsen darauf sieht man also bereits jetzt.

Es wird natürlich sehr stark darauf ankommen, wie schnell die Konjunkturerholung erfolgen wird. Ein weitere Rückschlag an den Börsen ist also zu erwarten, wenn etwa realisiert würde, dass die Konjunktur doch nicht so schnell nach oben geht wie ursprünglich erwartet."

e-fundresearch: "Welche Risikofaktoren sehen Sie derzeit bei Aktien und wie hoch schätzen Sie das aktuelle Rückschlagspotential bei den großen Indizes?"

Elisabeth Staudner: "Prinzipiell ist der größte Risikofaktor derzeit, dass sich die Konjunktur eventuell nicht so schnell erholt wie erwartet. Die Konsumenten könnten z.B. aufgrund der hohen Arbeitslosenraten etwas verhaltener reagieren als angenommen.

Am Ende des 1. Quartals werden wir deswegen eine Art "Realitätscheck" an den Aktienmärkten erleben. Im Moment existieren diese Erwartungen noch, wenn der "Realitätscheck" aber negativ - insbesondere im Bereich der Unternehmensgewinne - ausfällt, dann besteht schon ein 5-10%iges Rückschlagspotential an den Aktienmärkten. Prinzipiell sollte es aber bei einem halbwegs gut ausgefallenen "Realitätscheck" erst einmal eine Seitwärtsbewegung geben.

Weitere externe Faktoren die ein Rückschlagsrisiko beinhalten wären etwa die Emerging Markets, also im Moment die Argentinien Krise oder der momentan sehr schwache Yen."

e-fundresearch: "Ihr Haus empfiehlt weiterhin voll in "Alternativen Investments" wie Immobilienaktien oder Hedgefonds investiert zu sein. Sie stehen dem aktuellen Boom bei Hedgefonds also nicht sehr skeptisch gegenüber?"

Elisabeth Staudner: "Prinzipiell sehen wir in "Alternative Investments" einen wichtigen und stabilisierenden Bestandteil der Portefeuilles. In einem Standardportfolio empfehlen wir rund 30% in alternativen Anlagen zu halten, wobei wir hier noch eine Aufteilung von 10% Hedgefonds und 20% Immobilienwerte empfehlen würden.

In Punkto Hedge Fonds sind wir bei unseren Empfehlungen aber sehr selektiv: Vor allem empfehlen wir Multi-Manager/Multi-Style Hedge Fonds. Man sollte sich nämlich nicht auf eine bestimmte Hedge Fonds Schiene beschränken - schon allein aufgrund der Risikodiversifikation. Der von Ihnen bereits erwähnte Boom bei Hedge Fonds, der auf die letztens schlechte Performance der Aktienmärkte zurückzuführen ist, hat natürlich mit den nicht korrelierenden Erträgen dieser Assetklasse zu tun. Bei Constantia versuchen wir uns durch die Auswahl der richtigen Fondsmanager den Multi-Style Ansatz zu sichern um die doch existierenden Risken hier auszugleichen."

e-fundresearch: "In den letzten Jahren haben viele Anleger zum ersten Mal gelernt was Value bzw. Growth Fonds sind. Wohin schlägt das Pendel derzeit bzw. auf welche Faktoren muss man dabei achten?"

Elisabeth Staudner: "Wir haben in unseren Portefeuilles als eine der wenigen Manager in Österreich bzw. in Europa ein quantitatives Style Modell im Einsatz welches zwischen Value und Growth unterscheidet. Unser Modell ist mit Anfang November auf Growth umgeschwenkt, d. h. wir hatten seit Beginn 2000 ein starkes Signal für Value Fonds.

Nunmehr haben wir die Growth Seite wieder stärker gewichtet - von der Sektorrotation ausgehend muss man bei einer Wirtschafterholung sicherlich die Growth Sektoren wie Technologie und Telekom zu favorisieren sind. Diesen Sachverhalt muss man natürlich laufend auf Ihren Bestand hin überprüfen."

e-fundresearch: "Frau Mag. Staudner, vielen Dank für das Gespräch!"

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