One sieht bei UMTS zwei zu viel

10. Jänner 2002, 20:34
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Für den Handynetzbetreiber steht 2002 ganz im Zeichen der dritten Mobilfunkgeneration

"Wir sind ohne großen Zeitdruck", sagt der Geschäftsführer von Connect Austria, Jörgen Bang-Jensen. "Erstens erwarten wir einen Massenmarkt bei UMTS erst ab Ende 2003, und zweitens haben wir beim Aufbau des GSM-Netz vorgesorgt, sodass die Masten aufrüstbar sind."

Der drittgrößte Handynetzbetreiber One ist sich deshalb sicher, ein "angepasstes Roll-out" nach den Vorgaben, die bei der Lizenzvergabe gestellt wurden, innerhalb eines Monats durchziehen zu können - sobald genügend Services und Endgeräte verfügbar sind. UMTS-Konzessionsauflage ist, ein Netz aufzubauen, das bis Ende 2003 ein Viertel der Bevölkerung erreicht, bis Ende 2005 die Hälfte.

Finanzierung sichergestellt

Auch die Finanzierung sei sichergestellt, erklärt Bang-Jensen. Im vergangenen Oktober wurde mit einem internationalen Bankenkonsortium eine Finanzierungsvereinbarung über 690 Mio. EURO (9,4 Mrd. S) getroffen, die in den UMTS-Aufbau von One, der so genannten 3. Generation, sowie in weiteren GSM- und GPRS-Ausbau ("2G" bzw. "2,5G") fließen soll.

Was die kommenden 3G-Endgeräte betrifft, setzt One wie schon bisher auf Nokia und Ericsson. Allerdings hofft Bang-Jensen auf "neue asiatische Hersteller". Diese hätten aufgrund des japanischen mobilen Internetdienstes I-Mode bereits Erfahrung sammeln können und mit Unternehmen wie Panasonic oder Samsung Vertreter für die digitale Fotografie bzw. Videokameras.

Neue Anbieter von 3G-Endgeräten in Europa würden auch dem Markt gut tun. "Es ist nicht gesund, wenn ein Hersteller über fünfzig Prozent Marktanteil hat", meint der One-Chef mit einem Seitenhieb auf den finnischen Handyproduzenten Nokia.

Die oft zitierte "Killer-Applikation", also die neuartige Anwendung, die die GSM-Kunden in Scharen zu den neuen UMTS-Diensten treiben würde, sieht Bang-Jensen vor allem im E-Mail und SMS-Bereich.

Kooperationsbedarf

Erfolg oder Misserfolg von UMTS hängt für Bang-Jensen vor allem davon ab, inwieweit Kooperationen zugelassen und dann auch durchgeführt werden. Beispiel SMS: Die so genannten Mehrwert-SMS, also die Mails, für die mehr als nur Telefongebühren bezahlt werden müssen, würden erst dann erfolgreich sein, wenn die einzelnen Angebote vom Mobilfunkbetreiber abgekoppelt werden. Diesbezügliche Gespräche über die Regulierungsbehörde sind bereits im Gange.

Netzbedarf

Bei den sechs Unternehmen, die bei der UMTS-Versteigerung den Zuschlag erhalten haben, sind nach Einschätzung von Bang-Jensen zwei bis drei zu viel: "Es wird drei bis vier Netze geben." Es sei denkbar, dass es zu Koalitionen beim Netzausbau komme oder dass Lizenzen zurückgegeben werden.

Um eventuell retournierte Pakete würde nach Bang-Jensens Einschätzung bei den verbliebenen Netzanbietern schnell ein G'riss entstehen. Die 2x10 MHz-Pakete, die vergeben worden waren, sind "das absolute Minimum für eine vernünftige Netzplanung". Das internationale UMTS-Forum empfehle 2x20 MHz, zumindest aber 2x15 Pakete.

Bei den "ungepaarten Paketen" (siehe nebenstehende Tabelle) hat Connect nicht mitgesteigert. Bang-Jensen: "Wir glauben, dass die nicht verwendet werden." Diese sind für Hochgeschwindigkeitsnetze in begrenzten Örtlichkeiten und nur in eine Richtung gedacht. Damit stehen sie in direkter Konkurrenz zur Wireless-Lan-Technologie (WLAN), die Bang-Jensen als billiger bezeichnet. Um dieses Angebotsspektrum abzudecken, hat Connect Austria im Vorjahr den WLAN-Spezialisten eWave übernommen. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Printausgabe 11.1.2001)

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