Kampf um Postler-Überstunden vertagt

10. Jänner 2002, 19:17
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Im Postbus regt sich Widerstand gegen quartalsweise Bezahlung von Mehrdienstleistungen

Luise Ungerboeck

Wien - Köpferauchen und eisiges Schweigen stand am Donnerstagnachmittag in der Post AG auf dem Programm. Der Grund: Unternehmensleitung und Gewerkschaft feilschten um eine verträgliche Überstundenregelung für die rund 18.000 Postbeamten.

Die Verhandlungsbasis war dem Vernehmen nach schlecht, mit gegenseitigen Schuldzuweisungen wurde nicht gespart: Das Management wirft der Gewerkschaft Indiskretion bei laufenden Verhandlungen vor. Die Belegschaftsvertretung wiederum ist sauer, weil die Dienstanweisung über die neue Art der Überstundenabrechnung nicht abgesprochen sei.

Detail am Rande: Dem STANDARD vorliegende interne Informationen der Personalabteilung belegen, dass die einzelnen Dienststellen vor den Gewerkschaftern informiert wurden. In der Post versuchte man zu kalmieren, die Dienstanweisung sei quasi sicherheitshalber ausgegeben worden, um dem Beamtendienstrechtsgesetz (BDG) zu entsprechen. Über die praktische Umsetzung werde derzeit verhandelt.

Hintergrund: Die neue Regelung soll Einsparungen in der Verwaltung bringen, in dem werktags anfallende Überstunden nicht mehr automatisch am Monatsende im Verhältnis 1 : 1,5 ausbezahlt, sondern innerhalb des laufenden Quartals in Form von Zeitausgleich konsumiert werden müssen. Nur die - aus welchen Gründen auch immer - nicht in Freizeit abbaubaren Überstunden werden künftig am Beginn des nächsten Quartals ausbezahlt.

Davon betroffen sind, wie berichtet, nicht nur rund 260.000 Bundesbedienstete, sondern auch die ausgegliederten Unternehmen Post, Telekom, Postbus. Die Belegschaft der Post will dies nun nicht einfach hinnehmen. Die Neuregelung bedeute eine Schlechterstellung, weil dadurch für das operative Geschäft notwendige Überstunden erst bis zu drei Monate später ausbezahlt würden.

Widerstand regt sich indes auch bei den rund 2000 beamteten Postbus-Mitarbeitern. Diese leisten laut Betriebsrat bis zu 40.000 Überstunden pro Monat - anders sei in der starken Wintersaison gar kein Buslinienbetrieb möglich. Ein brauchbares Ergebnis gab es am Donnerstag nicht, die Verhandlungen wurden vertagt. (Der Standard, Printausgabe, 11.01.02)

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