Österreich unter globalen Top Ten

11. Jänner 2002, 14:19
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Iren sind "Globalisierungs- weltmeister" - Österreich an neunter Stelle

Washington/Wien - In der globalen Wirtschaftswelt haben kleine, offene Volkswirtschaften die Nase vorn. Irland, oft als keltischer Tiger bezeichnet, hat im Globalisierungsranking 2002 des US-amerikanischen Foreign Policy Magazin den Sprung vom sechsten auf den ersten Platz geschafft. Der Inselstaat weist nach wirtschaftlichen und politischen Kriterien, von der Reisefreudigkeit bis zur Internet- und grenzüberschreitenden Telefonnutzung die größte internationale Vernetzung auf. Nicht zuletzt aufgrund niedriger Steuersätze hat sich Irland als Magnet für ausländische Investitionen und als Finanzdrehscheibe einen Namen gemacht.

Auch andere Kleinstaaten wie die Schweiz auf Platz zwei, Singapur (Platz drei) oder Österreich finden sich unter den "globalisiertesten" Ländern. Österreich ist zwar vom siebenten auf den neunten Platz abgerutscht, liegt aber dank guter Werte beim grenzüberschreitenden Tourismus, bei der Telefon- und Internetvernetzung sowie beim politischen Engagement etwa in der UNO, vor Staaten wie Großbritannien, den USA oder Deutschland.

In der Studie wurden in Zusammenarbeit mit der Unternehmensberatungsfirma A.T. Kearney 62 Staaten in den vier Hauptkategorien Technologie, politisches Engagement, wirtschaftliche Integration und Auslandskontakte der Bevölkerung (via Reisen, Telefon etc.) untersucht. Schlusslicht im Globalisierungsranking ist wie im Vorjahr der Iran.

Im hinteren Feld der "abgeschotteten" Länder liegen große Staaten wie China (53), Südafrika (54) oder Brasilien (58). Gerade in China wird aber durch den Beitritt zur Welthandelsorganisation WTO ein kräftiger Globalisierungsschub erwartet. Das Gleiche gilt für Russland (Platz 39), das bis Ende 2002 der WTO beitreten will.

Die weltweiten Konjunkturprobleme des Jahres 2001 und die Terroranschläge vom 11. September zeigen laut Studie eines ganz deutlich: Je vernetzter ein Land international aufgestellt ist, desto leichter übertragen sich auch wirtschaftliche Turbulenzen auf solche Volkswirtschaften. So gehen die neuesten Prognosen für Irland von einem Wirtschaftswachstum von heuer drei Prozent aus. Im Jahr 2000 wuchs das irische Bruttoinlandsprodukt noch um elf Prozent. In Singapur, mit seiner enormen Abhängigkeit vom internationalen Handel, dürften die Importe und Exporte heuer am stärksten seit der Unabhängigkeit im Jahr 1965 schrumpfen.

Ob die Globalisierung die Einkommensungleichheit zwischen Arm und Reich in der Welt verschärft oder langfristig ausgleicht, beantworten die Studienautoren nicht. Die bestehende Kluft wird nur anhand von Daten wie der Internetverbreitung dargestellt: So kommen in den 29 hoch industrialisierten OECD-Staaten 100 Internetanschlüsse auf 1000 Einwohner, im Rest der Welt gerade einer. (miba, Der Standard, Printausgabe, 11.01.02)

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