Powell mahnt Musharraf zu weiteren Festnahmen

10. Jänner 2002, 14:47
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US-Außenminister vor Südasien-Reise - Kind bei Gefechten in Kaschmir getötet

Washington/Neu-Delhi - Die USA haben Pakistan zu weiteren Schritten gegen militante Islamisten gemahnt. Außenminister Colin Powell sagte am Mittwoch nach einem Treffen mit dem indischen Innenminister Lal Advani in Washington, Islamabad habe zwar bereits einige Festnahmen angeordnet. Für den pakistanischen Militärmachthaber Pervez Musharraf gebe es aber noch "Raum für weitere Arbeit". Powell äußerte die Hoffnung, Musharraf werde die Liste der 20 Personen berücksichtigen, die nach Ansicht Neu-Delhis für den Anschlag auf das indische Parlament Mitte Dezember verantwortlich waren.

"Ich habe die Liste gesehen, und ich weiß, dass Präsident Musharraf die Liste hat", sagte Powell und fügte hinzu: "Ich weiß, dass er sie prüft, und ich hoffe, er wird auf Grundlage der Liste angemessen handeln." Powell wird voraussichtlich kommende Woche zu einer Asienreise aufbrechen, in deren Verlauf er Pakistan, Indien und möglicherweise auch Afghanistan besuchen will.

Rede erwartet

Es wird damit gerechnet, dass Musharraf in den nächsten Tagen in einer Rede den Kampf gegen den Terrorismus ankündigt, wie es US-Präsident George W. Bush verlangt hatte. Indien könnte dann seine Forderungen für erfüllt erklären und den Rückzug der Truppenverstärkungen aus Kaschmir vorschlagen.

In der Grenzregion Kaschmir kam es auch am Donnerstag zu Gefechten. Dabei wurden auf indischer Seite im Bezirk Poonch nach Polizeiangaben ein vierjähriger Bub getötet und zwei weitere Kinder schwer verletzt. Indische Bauern beklagten derweil die Verminung der Grenzregion durch die Streitkräfte. "Sie haben hier ein zweites Afghanistan geschaffen", sagte Vijay Kumar aus dem Dorf Sorrhi. Auf pakistanischer Seite sind laut Behörden mehr als 50.000 Bewohner des Grenzgebiets auf der Flucht. (APA/AP/dpa)

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