EU will Wettbewerb im Automarkt stärken

10. Jänner 2002, 15:08
1 Posting

Bisherige Regeln "Zwangsjacke" für den Wettbewerb

Brüssel - Verbraucher in Europa sollen künftig von mehr Wettbewerb zwischen Autohändlern und Werkstätten profitieren. Dieses Ziel haben neue Vorschriften für den Pkw-Vertrieb, die die EU-Kommission am Donnerstag in Brüssel für Ende des Monats angekündigt hat.

Ein Schwerpunkt bei der Überarbeitung der so genannten Gruppenfreistellung im Pkw-Vertrieb, die im September ausläuft, ist die Lockerung der bisher engen vertraglichen Bindungen zwischen den Autoherstellern und ihren Vertriebspartnern. Die neuen Regeln sollen zum 1. Oktober in Kraft treten und innerhalb eines Jahres umgesetzt sein. Die Kommission hofft dadurch auf sinkende Preise für die Kunden.

Händler vieler Marken

Autohersteller dürfen nach der künftigen Verordnung von ihren Vertragspartnern beispielsweise nicht mehr verlangen, neben dem Verkauf von Neuwagen auch Service und Reparaturen für ihre jeweilige Marke anzubieten. Autohäuser dürfen diese Dienstleistungen dann auch an Subunternehmer vergeben und sich nur noch auf den Verkauf von Neuwagen konzentrieren.

Nach den künftigen Regeln, die die Kommission in eigener Verantwortung festlegt, darf den Händlern ebenso nicht mehr verwehrt werden, gleichzeitig Fahrzeuge mehrere Marken anzubieten. Gestrichen werden sollen zudem Beschränkungen der einzelnen Autohäuser auf feste Absatzgebiete. Autohändler können damit ihre Wagen im Prinzip in der gesamten EU anbieten, wo es derzeit noch hohe Preisunterschiede für identische Typen gibt.

Zur Öffnung des Händlernetzes zwingen

Mit der Verstärkung des Wettbewerbs bei neuen Autos will die EU-Kommission nach einem Reuters vorliegenden Dokument unter anderem VW zu einer Öffnung des Händlernetzes in Deutschland zwingen. In dem Entwurf der EU-Kommission für neue Vertriebsregeln, heißt es, die bisherigen Regeln, die den Automobilkonzernen einen exklusiven Vertrieb ihrer Fahrzeuge ermöglichten, hätten sich nicht bewährt. Eine Verlängerung dieser im kommenden Herbst auslaufenden Regeln sei deshalb "keine wirkliche Option". Vielmehr müsse mit einem neuen System der "Preis-Wettbewerb (..) für neue Fahrzeuge und Serviceleistungen verstärkt werden".

Wie die Händler sollen auch die Reparaturwerkstätten gegenüber den Pkw-Herstellern mehr Rechte erhalten. Ob als Subunternehmer eines Markenhauses oder als unabhängige Werkstatt sollen die Betriebe Zugang zu zugelassenen Ersatzteilen auch anderer Hersteller haben. Grundsätzlich sollen sie ihre Dienste für Autos aller Marken anbieten können. Die Autohersteller müssen nach den künftigen Regeln allen Werkstätten die für Servive und Reparatur notwendigen technische Informationen und Software zur Verfügung stellen. Verwehrt werden darf den freien Werkstätten auch nicht die Teilnahme an markenspezifischen Aus- und Fortbildungen.

Die Kommission hat fast zwei Jahre an der Neufassung der Verordnung gearbeitet. Der Missbrauch der bisherigen EU-Vorschriften zu Lasten der Verbraucher, so durch die Behinderung grenzüberschreitender Verkäufe bei Herstellern wie Volkswagen, hatte die Kommission bestärkt, das bisherige Reglement besonders zu Gunsten der Verbraucher umzuschreiben.(APA/Reuters)

Share if you care.