CHANDRA blickte ins Herz der Galaxis

10. Jänner 2002, 12:25
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Röntgenaufnahmen lüften den Gas-Schleier vor dem Zentrums-Black Hole der Milchstraße

Washington - Das Röntgenteleskop CHANDRA hat den Astronomen die ersten klaren Aufnahmen vom Zentrum der Milchstraße geliefert. Die Bilder des seit 1999 im Weltraum arbeitenden Observatoriums zeigen nach Angaben von Projektleiter Daniel Wang von der Universität Massachusetts das riesige schwarze Loch in der Mitte unserer Galaxie. Um das Zentrum gruppieren sich hunderte Neutronen- und Zwergsterne sowie kleinere schwarze Löcher, wie Wang am Mittwoch in Washington auf der Tagung der Amerikanischen Astronomischen Gesellschaft mitteilte.

Foto: Reuters/NASA

Die Sicht auf das Zentrum der Milchstraße ist für herkömmliche Teleskope von einem Schleier von Staubpartikeln, Gasen sowie dem Licht von Millionen Sternen verdeckt. Das Röntgenteleskop überwand diese Barrieren und erstellte 30 Aufnahmen, die miteinander kombiniert die bisher detaillierteste Karte der Galaxie ergeben. Die Karte bildet ein Gebiet von 900 mal 400 Lichtjahren ab. Ein Lichtjahr entspricht rund zehn Billionen Kilometern.

Die Milchstraße als Stadt

Wang verglich das Gesamtbild der Milchstraße mit einem Stadtplan: Im Zentrum liege das riesige schwarze Loch, das Gravitationszentrum der Galaxie mit einer Dichte von drei Millionen Sonnen. Um das Zentrum herum würden ständig Sterne geboren oder explodieren in einer Supernova. "Was dort passiert, ist bedeutsam für den Rest der Galaxie", sagte Wang.

Um das Zentrum der Milchstraße erstreckt sich ein Gasnebel mit einer Temperatur von schätzungsweise zehn Millionen Grad Celsius, was deutlich weniger ist als die ursprünglich vermuteten Temperatur von 100 Millionen Grad. Die Gase entfernen sich laut Wang vermutlich vom Zentrum der Galaxie, kühlen am Rand ab und strömen dann wieder zurück. Bei dieser Bewegung könnten sie Elemente, die in Sternen entstehen, wie etwa Kohlenstoff, in der Galaxie verteilen.

Life in the suburbs

Unser Sonnensystem liegt laut Wang in einem "Vorort der Stadt", etwa 25.000 Lichtjahre vom Zentrum entfernt in einem der spiralförmigen Arme der Milchstraße. Von der weiteren Analyse der Aufnahmen erhoffen sich die Wissenschafter Aufschluss unter anderem über die Details der Entwicklung von Galaxien und die Entstehung von Sternen. (APA/AP)

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