VÖZ: Österreichs Medien befinden sich in einer "Krisensituation"

10. Jänner 2002, 12:02
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Anzeigenrückgänge 20 und 40 Prozent - Gewerkschaft: Es zählt nur noch Gewinn

Österreichs Medienunternehmen befinden sich in einer wirtschaftlichen "Krisensituation". Dies erklärte Franz Ivan, Präsident des Verbands Österreichischer Zeitungen (VÖZ), Mittwochabend bei einer Diskussion über den "Kostenfaktor Journalist" im Club Stephansplatz. "Die Rahmenbedingungen belasten uns nicht erst seit dem 11. September. Abspecken ist derzeit überall angesagt", sagte Ivan.

Kostensteigerungen

Steigerungen von 20 Prozent bei den Papierpreisen, 30 Prozent teurere Postzeitungstarife, fünf- bis sechs-prozentige Steigerungen der Kollektivverträte und allgemeine Kostensteigerungen von drei Prozent, machte Ivan für die schwierige Lage geltend. Darüber hinaus hätten die heimischen Medien seit Mitte 2001 mit Anzeigenrückgängen zwischen 20 und 40 Prozent zu kämpfen. Und die Presseförderung sei seit 1992 um mehr als 100 Millionen Schilling gekürzt worden.

Konkurrenz und Konzentration

Dem stünden erlösseitig so gut wie keine Steigerungen gegenüber. Im Gegenteil: die verschärfte Konkurrenz und Konzentration auf dem Medienmarkt habe dazu geführt, dass die Medien Mittel in Internet oder Privatradio investieren mussten. "Das alles hat dazu geführt, dass nun Restrukturierungsmaßnahmen durchgeführt werden müssen."

"Kostenfaktor Journalist"

Es sei nicht verwunderlich, dass dabei auch am "Kostenfaktor Journalist" gedreht werde. Ivan: "Journalisten sind natürlich ein Kostenfaktor. Sie sind aber für jede Zeitung das wichtigste Gut und Kapital."

Zimmermann: "Es geht nur noch um Gewinnmaximierung"

Astrid Zimmermann, stellvertretende Vorsitzende der Journalistengewerkschaft und Betriebsratsvorsitzende beim STANDARD, wo es zuletzt umfangreiche Restrukturierungsmaßnahmen gab, schätzt die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ähnlich ein wie der VÖZ-Präsident, interpretiert diese jedoch anders. "Medien sind zu Cash-cows geworden wie andere Unternehmen auch. Es gehe nur noch um Gewinnmaximierung", so Zimmermann. Kritik übte die Arbeitnehmervertreterin an der "Cross-over-Finanzierung" in neue Geschäftsfelder wie Privatradio oder Internet-Auftritte.

Als Beispiele für die neue Managementkultur nannte Zimmermann die Mediaprint ("Kronen Zeitung", "Kurier") sowie die Styria Medien AG ("Kleine Zeitung", "Die Presse", "Die Furche"). Selbst die Mediaprint, die im Jahr 2000 eine Milliarde Schilling Gewinn vor Steuer erzielt habe, müsse nun "drastisch sparen", damit Gewinne maximiert werden können. Und bei der Styria laufe ein "massives Sparprogramm", weil die Gewinnerwartung von zuletzt 190 Millionen Schilling heuer nicht erreichbar sei, berichtete Zimmermann.

Golden Handshakes

Natürlich seien die Personalkosten bei Medien hoch. Menschen seien jedoch das Hauptproduktionsmittel und -kapital. Dafür hätten die Journalisten in den vergangenen Jahren immer mehr Aufgaben übernommen. "Der Druck ist größer geworden. Gespart wird nun vor allem bei älteren Journalisten: vorzeitige Pensionierungen, Altersteilzeit, Golden Handshakes - bei allen Maßnahmen sind der erste Sparfaktor immer die Journalisten", so Zimmermann.

Und 2003?

"Gewinn muss erlaubt sein. Es ist vernünftig, wenn die Eigentümer eine Gewinnmarge vorgeben", erwiderte VÖZ-Präsident Ivan. Diese würde in der heimischen Medienbranche zwischen sieben und zehn Prozent liegen. Auch "Cross-over-Finanzierung" sei nicht verwerflich. Für das Jahr 2003 hofft der Geschäftsführer der zur Styria gehörenden "Presse" jedenfalls auf einen wirtschaftlichen Aufschwung. (APA)

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