Zwischen Laptop-Mystik und Song-Morbidität

10. Jänner 2002, 18:52
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Neue Alben von Jim O'Rourke

Insignificance
(Domino/Zomba)

Umtriebiger Avantgardist, Neotraditionalist, neues offizielles Bandmitglied der New Yorker Freerock-Pioniere Sonic Youth, Kollaborationen mit Stars der Improvisations-, Elektronik- und Songwriterszene (neben Faust oder David Grubbs unter anderem auch eine Zusammenarbeit mit den heimischen Größen Christian Fennesz und Peter Rehberg), Produzent von allem und jedem (Stereolab, Smog, Edith Frost, Melt Banana etc.).

Der aus Chicago stammende 32-jährige Gitarrist und Laptop-Künstler veröffentlicht seit gut einem Jahrzehnt eine unüberschaubare Flut von Arbeiten, aus denen sich in letzter Zeit solo zwei Fix-Pole herauszukristallisieren scheinen. Zum einen legt er mit Insignificance nach seinem Album Eureka aus 1999 wieder ein traditionelles Songwriteralbum vor. Dieses ist dem sanften, lyrischen, aber vertrackten britischen Art-Rock der 70er-Jahre ebenso verpflichtet, wie hier eine bei Will Oldham (Palace Brothers, Bonnie Prince Billy) oder Bill Callahan (Smog) abgeschaute Morbidität in den durchaus auch dem Rock verpflichteten Stücken zum Zug kommt. Konterkariert wird dies von O'Rourkes zerbrechlicher Gesangsstimme und seligen, an verseuchten kalifornischen Stränden flanierenden Harmoniegesängen.

I'm Happy, And I'm Singing, And A 1, 2, 3, 4
(www.mego.at)

Hier entwickelt O'Rourke nach den großteils freien Laptop-Improvisationen mit Christian Fennesz und Peter Rehberg als Trio Fenn'O'Berg eine Form von kammermusikalischer Feinelektronik, die über weite Klangflächen eine statische Erhabenheit offenbart, welche mitunter gar an sakrale Kompositionen des estländischen Mystikers Arvo Pärt erinnert. Ein harter Brocken, butterweich inszeniert.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11. 1. 2002)

Von
Christian Schachinger

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