Magerere Jahre für heimischen Einzelhandel

10. Jänner 2002, 16:26
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Bank Austria: Bloß ein Prozent Umsatzwachstum in ersten drei Quartalen 2001

Wien - Auf den österreichischen Einzelhandel dürften nach dem von der konjunkturellen Talfahrt geprägten Vorjahr noch weitere Jahre mageren Konsumwachstums zukommen. Nach Berechnungen der Konzernvolkswirte der Bank Austria (BA) hat der Branchenumsatz in den ersten drei Quartalen nominell um 1 Prozent zugenommen. Preisbereinigt gab es damit überhaupt kein Wachstum im heimischen Einzelhandel. Trotz des "relativ guten Weihnachtsgeschäfts" werde sich das Ergebnis bis Jahresende nicht wesentlich verbessert haben, so die BA in einer Pressemitteilung von Donnerstag.

Eine leichte Besserung versprechen die BA-Volkswirte auf mittelfristige Sicht. Obwohl bereits heuer mit einem stärkeren Wachstum der verfügbaren Einkommen gerechnet werden könne, spreche die markante Erhöhung der Arbeitslosigkeit für eine erneut schwache Entwicklung der Einzelhandelsumsätze. Erst ab 2003 soll der private Konsum wieder an Dynamik gewinnen, ohne jedoch das durchschnittlich 4-prozentige Umsatzwachstum der Jahre 1980 bis 1995 zu erreichen. Die BA rechnet wegen der "relativ schwachen Nachfrage" als Folge des deutlich verminderten Bevölkerungswachstums vielmehr mit einem jährlichen Umsatzplus von 2 bis 3 Prozent.

Erhöhung des Wettbewerbsdruck

In dieser Nachfrageschwäche orten die BA-Ökonomen die Ursache für eine zu erwartende Erhöhung des Wettbewerbsdruck im Sektor, was wiederum den Konzentrationsprozess fördere. In vielen Sparten sei das - abgesehen von einer "ungehemmten Flächenexpansion" - die letzte Möglichkeit, um Marktanteile zu gewinnen. Beispielsweise könnten die Österreicher das Einkaufserlebnis im Lebensmittelhandel zwar auf rund 20 Prozent mehr Verkaufsfläche als die meisten Westeuropäer ausdehnen, andererseits sorgten sinkende Quadratmeterumsätze für eine "prekäre Ertragslage" der Unternehmen. Im Bekleidungs- und Möbelhandel sieht die BA sogar eine "besonders problematische Situation".

Gut positioniert hinsichtlich Ertrag und Wachstum sehen die Experten der BA Apotheken und den Sportartikelhandel. Apotheken profitierten von der konjunkturresistenten Nachfrage nach Medikamenten, die sich zuletzt mit einem 8-prozentigen Umsatzwachstum pro Jahr niedergeschlagen habe. Der Sportartikelhandel habe bei einem nur minimal gesteigerten Flächenangebot sogar zweistellige jährliche Wachstumsraten erreicht.(APA)

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