Lega Nord attackiert Prodi

10. Jänner 2002, 11:29
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EU-Kommissionspräsident "mischt sich in Italiens innere Angelegenheiten ein"

Rom - Die Lega Nord hat EU-Kommissionspräsident Romano Prodi scharf attackiert. Prodi hatte am Mittwoch in Brüssel die europakritische Haltung der rechtspopulistischen Partei kritisiert. Die drittstärkste Partei im Regierungsbündnis von Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi warf Prodi vor, sich in die inneren Angelegenheiten Italiens einzumischen.

"Prodi hat die Mentalität eines europäischen Bürokraten und ist noch dazu ein Mann der Linken", erklärte Francesco Speroni, EU-Abgeordneter der Lega Nord und Vertrauensmann des Lega-Chefs und Reformenministers Umberto Bossi Medienberichten vom Donnerstag zufolge.

"Eurokritisch"

"Die Lega Nord ist nicht euroskeptisch, sondern eurokritisch. Wir müssen nicht alles passiv akzeptieren, was aus Brüssel kommt. Nicht alles ist positiv (...) Wir fordern eine europäische Verfassung, die von allen Bürgern angenommen wird", sagte Speroni.

"Die Lega ist stark europaorientiert, ihre Europa-Vision unterscheidet sich von jener der Linken. Das ist kein Verbrechen, man kann uns deswegen nicht verteufeln. (...) Niemand von uns hat jemals den Austritt Italiens aus der EU gefordert. Wir wollen aber kein bürokratisches und zentralisiertes Europa", so Speroni.

Der Lega-Vertreter bezeichnete den Enthusiasmus Prodis für die Euro-Einführung als übertrieben. "Der Euro ist eine positive Sache. Prodi begeht aber einen Fehler, wenn er von einem außerordentlichem Erfolg der neuen Währung spricht. Der Euro hat in den Jahren 25 Prozent seines Wertes im Vergleich zum Dollar verloren. Bei seinem Debüt war der Euro 1,18 im Vergleich zum Dollar wert. Nun ist das Verhältnis auf 0,88 gesunken. Prodi darf mit seinem Optimismus nicht übertreiben", sagte Speroni. (APA)

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