Rechtshistoriker Gernot Kocher feiert 60. Geburtstag

10. Jänner 2002, 14:44
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Methodisch neue Wege zur Erforschung der Rechtssymbolik

Graz - Mit der Präsentation einer Festschrift wurde am Mittwoch der 60. Geburtstag des österreichischen Rechtshistorikers und Dekans Gernot Kocher an der Universität Graz begangen. Der langjährige Vorstand des Institutes für Österreichische Rechtsgeschichte erschloss in seinen umfangreichen Forschungen zur Rechtssymbolik methodisch neue Wege.

Unter Kochers Leitung schuf die Grazer Fakultät zudem 1998 eine neue Ausbildungssituation für Studenten mit der Einführung des Kurssystems anstatt Massenvorlesungen. Vorbereitet wurde die Festschrift ebenso wie die Feier selbst noch von dem erst kürzlich verstorbenen Grazer Rechtshistoriker Helfried Valentinitsch.

Forschertätigkeit Kochers

An erster Stelle der Forschertätigkeit Kochers stehen die umfangreichen Arbeiten zur Rechtssymbolik. Er hat in Graz bereits als Assistent mit der Sammlung von rechtshistorischen Bildern begonnen, die er von Anfang an in seine Lehrveranstaltungen zum besseren Verständnis des tatsächlichen Rechtslebens eingebunden hat. Aus diesen Anfängen entstand in rund drei Jahrzehnten eine Sammlung mit über 23.000 Bildern, die Kocher bald nur mehr unter Einsatz der modernen Datenverarbeitung bewältigen konnte. Daher war er an der Grazer Juridischen Fakultät bei der Einführung der EDV an der Grazer Universität ein Pionier der ersten Stunde.

"Zeichen und Symbole des Rechts"

Nachdem Kocher zahlreiche Einzelstudien zu unterschiedlichen Bereichen der rechtshistorischen Bilderforschung veröffentlicht hatte, legte er mit seiner 1992 erschienenen Monografie über "Zeichen und Symbole des Rechts" eine vorläufige Bilanz seiner jahrelangen Forschungen zur Rechtsikonographie vor. Der zeitliche Rahmen der Darstellung reicht hier vom alten Orient und der Antike bis zur Gegenwart. In den vergangenen Jahren befasste sich Kocher mit den historischen Rechtsquellen im Alpen-Adria-Raum, zum Beispiel mit den Stadtrechten von Pettau/ Ptuj und Laibach/Ljubljana in Slowenien.

Kocher wurde am 7. Jänner 1942 in Graz geboren. Nach der Matura begann er in Graz das Studium der Rechtswissenschaften, das er 1966 mit der Promotion abschloss. Nach einer Anstellung am Institut für Deutsche Rechtsgeschichte habilitierte er sich 1975 für Deutsche und Österreichische Rechtsgeschichte unter Einschluss des Privatrechts. 1981 wurde er Mitglied der Europäischen Fakultät für Bodenordnung in Straßburg. 1988 trat Kocher am Institut für Österreichische Rechtsgeschichte der Karl-Franzens-Universität Graz seinen Dienst als Ordinarius an, wo er zunächst als Institutsvorstand und nach der Zusammenlegung der beiden rechtshistorischen Institute zum heutigen Institut für Österreichische Rechtsgeschichte und Europäische Rechtsentwicklung, als Stellvertreter des Institutsvorstands fungiert. Das wissenschaftliche Oeuvre Kochers umfasst zwölf selbstständige Publikationen sowie mehrere Herausgaben von Festschriften und anderen Sammelbände sowie über einhundert Artikel. (APA)

"Festschrift für Gernot Kocher", Hrgb. Helfried Valentinitsch und Markus Steppan, Verlag Leykam, Graz 2002, 400 Seiten , broschürt, 35,5 Euro/ 474 S
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