Irland als Globalisierungs -weltmeister

10. Jänner 2002, 14:26
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Österreich stellt den neunten Platz

Washington - Die Iren sind "Globalisierungsweltmeister": Beim Globalisierungsindex 2002 des Foreign Policy Magazins hat Irland am besten abgeschnitten. Der kleine Inselstaat weist die größte internationale Vernetzung auf, gemessen an wirtschaftlichen und politischen Kriterien sowie bei Reisen, Internet-Nutzung und Telefon-Kommunikation, knapp gefolgt von der Schweiz. Österreich liegt auf Platz neun, noch vor Großbritannien (10), den USA (12) und Deutschland (14). Gegenüber dem Vorjahr hat Österreich heuer allerdings zwei Plätze eingebüßt und wurde von Dänemark (8) und Kanada (7) überholt, heißt es in der am Mittwoch in Washington präsentierten Untersuchung.

Der Globalisierungsindex 2002 bezieht sich auf Daten des Boom-Jahres 2000 mit hohen Wachstumsraten. Dem Index 2001 lagen allerdings nur die Daten von 50 Ländern zugrunde, heuer wurden 62 Staaten analysiert, daher ist ein direkter Vergleich nicht möglich. Beim Index 2001 (bezogen auf das Jahr 1999) lag Singapur an der Spitze, Österreich nahm Platz 7 ein. Schlusslicht ist heuer und im Vorjahr der Iran: Die Islamische Republik schottet sich am meisten von anderen Ländern ab.

"2000 brachte Globalisierungsschub"

"Das Jahr 2000 hat einen Globalisierungsschub gebracht, für das Jahr 2001 erwarten wir einen deutlichen Rückgang", erläuterte Moises Naim, ehemaliger Industrieminister Venezuelas und Herausgeber des Foreign Policy Magazins, das gemeinsam mit dem Wirtschaftsberatungsunternehmen ATKearny die Untersuchung durchführte. Verantwortlich dafür seien die weltweite Rezession und die Folgen der Terroranschläge in den USA. Der Rückschlag in der ökonomischen Globalisierung, durch weniger Auslandsinvestitionen, Außenhandel und Auslandsreisen werde jedoch von einer stärkeren "politischen Globalisierung" begleitet, erwartet Naim: "Nach dem 11. September hat die Bush-Administration den Multilateralismus wieder entdeckt".

Irland hat den Titel des "Globalisierungsweltmeisters" durch Spitzenwerte in den Kategorien Internationaler Handel, Ausländische Direktinvestitionen, Portfolio Investment und Income Payments errungen. Der kleine EU-Staat habe sich als Handelsdrehscheibe und Finanzplatz Europas einen Namen gemacht und ausländisches Kapital angezogen, erklärte Paul Laudicina, Vizepräsident von A.T.Kearny. Generell begünstige der Index allerdings kleinere Länder, die stärker mit dem Ausland vernetzt seien als große Staaten mit eigenem Inlandsmarkt.

Ösrtereich sehr vernetzt

Österreich findet sich insbesondere bei der politischen Integration, Reisen, der Telefon- und Internet-Vernetzung auf den vorderen Plätzen. Bei grenzüberschreitendem Tourismus liegt die Alpenrepublik am fünfter Stelle, ebenso bei internationalen Telefongesprächen. An vierter Stelle liegt Österreich bei der Beteiligung an UNO-Missionen, am zehnten Rang bei den Mitgliedschaften in internationalen Organisationen. Bei den Internet-Hosts sind die USA vor den Niederlanden führend, Österreich nimmt den respektablen zehnten Platz ein.

Im hinteren Feld der Globalisierung liegen große Staaten wie China (53), Südafrika (54), Brasilien (58) und Indonesien (59), die gemessen an der Bevölkerung bzw. am Bruttonationalprodukt - relativ wenig Auslandstelefonate, Internetanschlüsse, Außenhandel und Direktinvestitionen aufweisen. Auf den Rängen finden sich auch Entwicklungsländer wie Bangladesch (48) und Pakistan (56). Einige der ärmsten Länder der Welt, etwa von Bürgerkrieg und Aids gezeichnete afrikanische Staaten, wurden in den Globalisierungsindex gar nicht aufgenommen.

An der Debatte über Sinn und Unsinn der Globalisierung wollten sich die Autoren der Untersuchung nicht beteiligen, betonte Naim. Allerdings zeige der Index schon per Definition, dass Globalisierung nicht nur wirtschaftliche Aspekte, sondern auch politische Zusammenarbeit und persönliche grenzüberschreitende Kommunikation beinhalte. Auch mit dem "Vorurteil", mehr Globalisierung bringe eine Nivellierung nach unten, werde aufgeräumt: Die am stärksten globalisierten Länder weisen hohe öffentliche Ausgaben etwa für Bildung und Gesundheitswesen auf. Nachteilig wirke sich die zunehmende Verflechtung etwa bei der Verbreitung der Rezession von Amerika nach Europa und Japan aus. Ob Globalisierung die Armut und Ungleichheit bekämpfen könne oder die Unterschiede noch vertiefe, darüber gingen die Meinungen auseinander, meinte der Venezolaner diplomatisch.(APA)

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