Paralyse des Devisenmarktes

10. Jänner 2002, 20:56
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Widerruf der Zentralbank: Auch am Donnerstag kein Handel

Buenos Aires - Die neue Regierung Argentiniens unter Präsident Eduardo Duhalde hat die praktische Umsetzung der Abwertung der Landeswährung Peso weiter verzögert. Das offizielle Debüt des Peso nach dessen Abwertung um fast 30 Prozent an den Devisenmärkten wird frühestens für Freitag erwartet. Händler kritisierten in der Nacht zum Donnerstag, dass die Regierung der drittgrößten lateinamerikanischen Volkswirtschaft bisher noch keine Regeln für den Handel vorgelegt hat.

Die Devisenmärkte in Argentinien sind seit dem 21. Dezember geschlossen. Die USA drängten die Regierung in Buenos Aires zu einer raschen Umsetzung des Wirtschaftsprogramms, um internationalen Beistand zu bekommen.

Schwarzmarkt: Hoher Peso für den Dollar

Die argentinische Zentralbank teilte mit, der offizielle Devisenhandel bleibe auch am Donnerstag ausgesetzt. Die Regierung hatte am vergangenen Wochenende angekündigt, den Peso von seiner jahrelangen Eins-zu-Eins-Bindung an den US-Dollar zu lösen und eine Währung mit quasi zwei Bewertungen einzuführen. Demzufolge soll der Peso zum einen offiziell mit rund 1,40 Peso an den Dollar gebunden sein und zum anderen speziell für Touristen frei schwanken. Auf dem Schwarzmarkt wurden für den Dollar am Mittwoch 1,50 bis 1,60 Peso verlangt. Analysten rechnen mit einem weiteren drastischen Kursverfall des Peso, so dass am Jahresende möglicherweise drei Peso für einen Dollar bezahlt werden müssten.

Angesichts der Liquiditätsknappheit und der seit Wochen andauernden Finanzkrise dürfte der Devisenmarkt paralysiert sein, hieß es in Buenos Aires. Es gebe angesichts der massiven Beschränkungen im Bargeldumlauf keine Liquidität. Selbst wenn die Regeln für den Handel vorlägen, werde es eine Weile dauern, bis die Märkte sie verstünden, sagte ein Händler in Buenos Aires. In den vergangenen Jahren lag der Tagesumsatz bei rund 600 Mill. Dollar (673 Mill. Euro/9,3 Mrd. S), wobei der Peso wegen seiner festen Eins-zu-Eins-Bindung an den Dollar nur minimal schwankte. (APA/Reuters)

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