"Man kann uns nicht besiegen"

10. Jänner 2002, 19:05
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Farc-Verhandler Reyes zeigt sich im STANDARD- Gespräch trotz Aufrüstung der kolumbianischen Regierung zuversichtlich

Los Pozos/Wien - Wenigstens eine grundsätzliche Einigkeit sollte noch einmal demonstriert werden: beidseitiger Wunsch nach weiteren Verhandlungen. Mehr haben die letzten nicht vorzeitig abgebrochenen Friedensgespräche zwischen den kommunistischen revolutionären Streitkräften Kolumbiens (Farc) und der Regierung nicht mehr ergeben.

Verhandlungsversuche gescheitert

Das war vor vier Monaten im Verhandlungscamp in Los Pozos in der Friedenszone, dem bis Samstag von der Farc zu räumenden Autonomiegebiet. Alle weiteren Verhandlungsversuche sind gescheitert. Dass die Verhandler bei den letzten Gesprächen nicht acht Stunde lang nur darüber geplaudert haben, weiter zu verhandeln, scheint klar. Worüber genau diskutiert worden war, wurde zwar nicht bekannt gegeben, lässt sich aber aufgrund anschließender Statements erahnen.

"Es ist eine Illusion, wenn die Farc glauben, die Macht in ganz Kolumbien zu bekommen", echauffierte sich Regierungsverhandler Camilo Gómez, der unter Hinweis auf die enorme militärische Aufrüstung Kolumbiens gegenüber dem STANDARD anmerkte, dass "das Monopol auf Waffen" bald wieder "in Händen der Regierung" liegen werde.

FARC-Verhandler gelassen

"Es haben schon viele versucht, mit uns fertig zu werden", zeigte sich Farc-Verhandler Raúl Reyes gelassen, "aber man kann uns nicht besiegen, denn wir sind das Volk." Die militärische Stärke der Guerilla wird auf knapp 17.000 Frauen und Männer geschätzt. Da die Farc für einen souveränen Staat kämpften, drohte Reyes, solle sich die Regierung genau überlegen, wie viele Interventionen seitens der USA sie noch zulassen wolle. Sei das Maß übervoll, könne es "auf beiden Seiten viele Tote geben".

Über den "Plan Colombia" versorgen die USA die kolumbianische Regierung mit Geld, Waffen, Kampfhubschraubern und Pflanzengift. Offiziell nur zur Kokainbekämpfung. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 11.1.2002)

Von Andreas Feiertag
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