"Es kann nie genug Frauen in führenden Positionen geben"

10. Jänner 2002, 11:37
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Wie Politikerinnen die frauenpolitische Leistungen ihrer Parteien einschätzen - Teil IV

  • SPÖ: "Lange Positiv-Liste"

    Die Vorsitzende der SP-Frauen, Exministerin Barbara Prammer, ist "durchaus zufrieden" mit den frauenpolitischen Leistungen ihrer Partei. Sie kritisiert jedoch, dass noch immer zu wenige Frauen in führenden Positionen tätig seien. Der Frauenarbeit während der 30-jährigen Regierungszeit der SPÖ stellt Prammer gute Noten aus. Ihre Partei könne "alles in allem eine lange Positiv-Liste vorweisen", wobei jedoch einige Fragen zu träge entschieden worden seien. Den thematischen Schwerpunkt setzt Prammer bei der Berufstätigkeit der Frauen, da diese gleichbedeutend mit Eigenständigkeit sei. Es sei deshalb sehr wichtig, die Erwerbstätigkeit von Frauen weiterhin zu forcieren. Das Kindergeld bewertet sie negativ, es sei bloß ein Versuch, die Frauen aus der Arbeitswelt zu "locken".

  • FPÖ: "Nie genug Frauen"

    Für Ursula Haubner, die Bundessprecherin der Initiative Freiheitlicher Frauen (iFF), kann es "nie genug Frauen in führenden Positionen geben". Der iFF gehe es jedoch nicht um die Quantität, sondern darum, dass Frauen "durch Qualität und Kompetenz in Führungspositionen" auf sich aufmerksam machen. Mit Akzeptanzproblemen innerhalb der Partei habe die iFF nicht zu kämpfen: "Man hört auf unser Urteil." Die Tatsache, dass in der neuen Regierung ein Mann (Sozialminister Herbert Haupt) über Frauenangelegenheiten entscheidet, sieht die Schwester von Jörg Haider nicht als problematisch, da "ein Politiker sowieso nichts alleine entscheiden" könne. Außerdem könne man ihrer Meinung nach Frauenpolitik sowieso nicht als isoliertes Thema sehen.

  • ÖVP: "Tolle Riege"

    Die Bundesleiterin der ÖVP-Frauenoffensive, Maria Rauch-Kallat, will, dass sich Frauen "in alle politischen Bereiche einbringen, auch etwa bei der Landesverteidigung". Die Generalsekretärin sieht in der ÖVP zwar eine "tolle Frauen-Riege", zahlenmäßig sei das weibliche Geschlecht jedoch nicht ausreichend vertreten. Das Ziel der Frauenoffensive sei, bis 2008 alle Entscheidungsinstanzen zur Hälfte mit Frauen zu besetzen. Weibliche Anliegen würden in der ÖVP ernst genommen, "sonst wäre ich nicht mehr in der Politik". Was Rauch-Kallat noch fehlt, ist mehr Mut sowie "mehr Bereitschaft und Selbstvertrauen der Frauen, sich politisch zu engagieren" und aufseiten der Männer, jenen dieses Engagement auch zu ermöglichen.

  • Grüne: "Gender-Trainings"

    Madeleine Petrovic, die Frauensprecherin der Grünen, zeigt sich mit der Durchsetzung von Fraueninteressen in ihrer Partei noch nicht ganz zufrieden. Die fünfzigprozentige Quote bewirke bestenfalls eine "zahlenmäßige Gleichstellung" der Geschlechter. Eine Frauenorganisation auf Bundesebene gibt es bei den Grünen nicht, denn "bei der Frauenarbeit ist ab einem gewissen Punkt nichts mehr weitergegangen". Um den Männern in der Partei dennoch eine weibliche Sicht der Dinge näher zu bringen, wird seit kurzem in so genannten "Gender-Trainings" Bewusstseinsarbeit durchgeführt. Diese zeigen zwar bislang noch keine Auswirkungen auf die grüne Politik, Petrovic hofft jedoch, dass diese mittel- oder längerfristig zu bemerken sein werden. (jule) - DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 10.1.2002

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