Karsai fordert Aufstellung nationaler Armee

9. Jänner 2002, 21:35
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Chef der Übergangsregierung präsentierte Pläne für politische Stabilität

Kabul - Der Chef der afghanischen Übergangsregierung, Hamid Karsai, hat sich am Mittwoch für die Aufstellung einer neuen nationalen Armee ausgesprochen. In einer Fernsehansprache legte Karsai zudem seine Pläne dar, um die wirtschaftliche und politische Stabilität des Landes nach 23 Kriegsjahren wiederherzustellen.

US-Kampfflugzeuge bombardierten erneut einen Höhlenkomplex in Ostafghanistan, wo sich El-Kaida-Kämpfer versteckt halten sollen. Bereits gefangen genommene El Kaida- und Taliban-Kämpfer sollen zu einem US-Stützpunkt auf Kuba geflogen werden. Nach britischen Armeeangaben soll der Flughafen von Kabul kommende Woche wiedereröffnet werden.

Engagiertes Programm

"Lasst uns zusammenkommen und eine nationale Armee schaffen", sagte Karsai im Fernsehen. Er wolle die Inflation unter Kontrolle bringen, die Herstellung afghanischer Produkte vorantreiben, Arbeitsplätze schaffen und Marktwirtschaft unterstützen, sagte er weiter. Ferner werde seine Regierung keine ungedeckten Afghani-Banknoten mehr drucken. Zudem werde die Presse nicht eingeschränkt, so lange diese den nationalen Interessen nicht schade, sagte Karsai.

Zuvor hatte Innenminister Junis Kanuni alle bewaffneten Männer, mit der Ausnahme von Polizisten und offiziellen Sicherheitskräften, aus Kabul gewiesen. Damit setze die Regierung die Sicherheitsvereinbarung um, auf die sich Vertreter des Landes im Dezember auf dem Petersberg bei Bonn geeinigt hätten, hieß es.

Bombardements

In Ostafghanistan setzten die US-Streitkräfte ihr Bombardements des Shawar Kili Höhlenkomplexes fort, wo sich El Kaida Kämpfer neu formiert haben sollen. US-Generalstabschef Richard Myers sagte, der Komplex sei sehr weitläufig. "Wenn wir Leute nach der Größe fragen, beschreiben sie ihn (den Komplex) als riesig." Es seien Panzer, Artillerie und andere militärische Fahrzeuge zerstört worden.

Das US-Verteidigungsministerium teilte mit, es befänden sich 368 Kämpfer der El Kaida und der Taliban im Gewahrsam der US- Streitkräfte. Sie sollen in den kommenden Tagen nach Kuba geflogen werden, wo sie auf einem US-Stützpunkt untergebracht werden sollen. Weil die Kämpfer als gefährlich und bereit zum Selbstmord gelten, erwägt das US-Militär nach einem Bericht des US-Fernsehsenders CNN die Gefangenen während des Fluges mit Medikamenten ruhig zu stellen. Das Verteidigungsministerium lehnte eine Stellungnahme zu dem Bericht ab.

Die El Kaida-Organisation und ihr Chef, der moslemische Extremist Osama bin Laden, werden von den USA für die Anschläge auf das World Trade Center in New York und das Verteidigungsministerium bei Washington verantwortlich gemacht. Die Taliban hatten Bin Laden und seiner Organisation Unterschlupf gewährt. (APA/Reuters)

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