Burgenland als ein Kulturcluster

9. Jänner 2002, 20:34
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Der Kreativsektor hat ökonomisches Gewicht

Eisenstadt - 3900 Burgenländer gehen einer Beschäftigung nach, die dem so genannten Kreativsektor zuzurechnen ist. Das sind genau so viele wie im so genannten Beherbergungs- und Gaststättenwesen oder nur um rund 400 weniger, als im Einzelhandel arbeiten, wenn man die Autowerkstätten wegrechnet. Diese überraschenden Vergleichsziffern sind das Ergebnis einer von der Landesregierung in Auftrag gegebenen Studie über die "Kreativwirtschaft im Burgenland", die Kultur- und Finanzlandesrat Helmut Bieler am Mittwoch in Eisenstadt präsentiert hat.

"Es zeigte sich", erklärte Studienleiter Alexander Swoboda von der Wiener Agentur Instinct Domain, "dass die Kreativwirtschaft zu einem bedeutenden ökonomischen Faktor geworden ist. 4,2 Prozent aller im Burgenland Beschäftigten arbeiten im Kultursektor." Dieser umfasse nicht nur die klassischen Kreativberufe - "Schauspieler am Theater" -, sondern auch angeschlossene Tätigkeiten, "Buchhalter am Theater".

Kreative Nomaden

Eine definitorische Schwierigkeit der Studie sei es vor allem gewesen, die gerade in diesem Bereich häufigen atypischen Beschäftigungsverhältnisse in den statistischen Griff zu bekommen. Nach dem vom Manchester Institute of Popular Culture entwickelten Begriff nennt die Studie solche Personen "Nomaden der Creative Industry", worunter zum Beispiel "ein Lehrer zu verstehen ist, der nebenbei eine erfolgreiche Band leitet".

Das Hauptanliegen dieser "in Mitteleuropa einzigartigen Studie" (Helmut Bieler) war es, die kulturellen Aktivitäten als ökonomischen Sektor darzustellen. Einerseits, um das Bewusstsein der Kulturschaffenden einschlägig zu stärken, andererseits, um das öffentliche Bewusstsein darauf einzustellen, dass dem Kulturbereich eine den anderen Branchen vergleichbare Wirtschaftsförderung gebührt. "Wir wollen", so der Kulturlandesrat, "ein kreatives Kompetenznetzwerk bauen. Das Burgenland soll zu einem Kulturcluster werden."
(wei/ DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10. 1. 2002)

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