Experiment beweist: Bakterien können Weltraumbedingungen überleben

14. Jänner 2002, 12:22
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Russische Satelliten mit Sporen des Heubazillus bestückt - ein wenig Staub reichte ihnen als Strahlenschutz aus

Köln/London - Deutsche Weltraumforscher haben erstmals Bakterien gezielt den lebensfeindlichen Bedingungen im All ausgesetzt - und ein Teil der Mikroben hat überlebt. Die Experimente von Gerda Horneck und Kollegen vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln stützen damit unter anderem die Panspermia-Theorie, wonach das Leben huckepack mit Meteoriten auf die Erde geregnet sein könnte. "Schon geringe Mengen Staub und Sand schützten die Sporen vor der ultravioletten Strahlung der Sonne", sagte Horneck am Mittwoch. Sporen sind Überdauerungsformen von Bakterien.

Die DLR-Forscher hatten in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre russische Satelliten mit Sporen des Heubazillus (Bacillus subtilis) bestückt. "Das ist der resistenteste Mikroorganismus, den man überhaupt kennt", erläuterte Horneck. Vollkommen ungeschützt starben dennoch alle Sporen im aggressiven UV-Licht der Sonne nach kurzer Zeit ab, berichtet das britische Wissenschaftsmagazin "New Scientist". Mischten die Wissenschafter die Sporen jedoch mit Meteoritenpulver oder mit Boden, der den Verhältnissen auf unserem Nachbarplaneten Mars nachgeahmt war, überstand ein Teil der Mikroorganismen den unwirtlichen Ausflug unbeschadet. "In einem Würfel von etwa einem Zentimeter Kantenlänge überlebten sogar fast 100 Prozent."

Panspermia möglich

Selbst kleine Meteoriten könnten demnach Leben von einem Planeten zum anderen tragen, solange die Reise nicht länger als einige Jahre dauere, schreibt der "New Scientist". Bereits 1903 hatte der schwedische Chemiker Svante Arrhenius vorgeschlagen, dass Sporen durch das Sonnensystem reisen könnten. Diese Panspermia genannte These wurde vor allem von den britischen Astronomen Fred Hoyle und Chandra Wickramasinghe in den 70er Jahren wieder aufgegriffen. Sie gilt aber als stark umstritten.

Die Experimente der Kölner Forscher haben noch eine weitere Konsequenz für die Suche nach Lebensspuren auf anderen Planeten: "Man muss sehr vorsichtig sein, dass man mit einer Sonde nicht Mikroorganismen von der Erde einschleppt, die dann falsch gedeutet würden", sagte Horneck. Die Originalarbeit des Teams ist im Fachjournal "Origins of Life and Evolution of the Biosphere" erschienen. (APA/dpa)

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