Nordbahnhof: Entlang der Sichtachse pendeln

9. Jänner 2002, 19:48
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Wenige Vorgaben in der Ausschreibung

Wien - Wird er jemals wieder was gleichschauen? Werden jemals Pendler in freundlicher Atmosphäre dort empfangen werden? Am Praterstern, am Nordbahnhof. Der stadtplanerische Wille zur Beantwortung der Fragen wird jedenfalls seit vielen Jahren kundgetan.

Doch jetzt wieder - Vertreter der ÖBB und des Stadtplanungsressorts geben bekannt: Fix ist, "der zentrale Verkehrsknoten am Praterstern soll aufgewertet werden. Dadurch hat die Stadt Wien eine Chance für eine städtebauliche Entwicklung und Attraktivierung eines bislang optisch wenig ansprechenden Ortes." Stimmt beides. Die Chance wartet seit langem darauf ergriffen zu werden, wenig ansprechend erleben Tausende U-Bahn-, Bim- und S-Bahn-Fahrer den Bahnhof täglich.

12 Bewerber

Die zweite Runde im Ausschreibungsverfahren für die Generalsanierung des Nordbahnhofes wurde nun eingeläutet. Der erste Schritt zur Vergabe der Generalplanung, mit der die gesamte Abwicklung des Bahnhofsbaus in eine Hand gelegt wird, war vorigen Juli eröffnet worden, berichtet Norbert Steiner, Leiter der ÖBB-Bahnhofsoffensive. Damals hatten 20 Interessenten einen Gestaltungsentwurf für den Praterknoten abgegeben. Ab sofort rittern nur mehr 12 Werber um den Auftrag, in dem 22 Millionen Euro (303 Millionen Schilling) allein für das Bahnhofsgebäude investiert werden sollen.

In der Ausschreibung wurden nur wenige Vorgaben gemacht, um den Architekten und Planern "möglichst viel kreativen Freiraum" zu lassen für ihre Entwürfe, erklärt ÖBB-Sprecher Gary Pippan.

Wert gelegt wird aber auf eines: die Erhaltung der Sichtachsen vom Praterstern ausgehend, Richtung Lassallestraße, Praterstraße und Ausstellungsstraße. Der Bahnhofsbau soll so gestaltet werden, dass der Blick durch die Stadt erhalten bleibe. Pippan schwärmt: "Ein paar der Entwürfe betonen das ganz wunderbar." Mehr dürfe er aber im laufenden Verfahren nicht verraten.

Wieviel Geld insgesamt - auch seitens der Stadt - für das Nordbahnhofgelände auf 30.000 Quadratmeter investiert wird, hängt vom weiteren Nutzungskonzept ab. Ob auch Geschäfte, Büros, Wohneinrichtungen gebaut werden, wie die Verbindungen zur verlängerten Linie U2 (bis 2007 fertig) und den Straßenbahnlinien gestaltet werden, wie die Verbindung zur Krieau ausfällt. Pippan rechnet, dass im kommenden April ein endgültiges Projekt ausgewählt werden kann.

Gürteldreieck

Schon die nächsten Tage wird bekannt gegeben, wie der äußerste Zipfel des Gürtel auf der anderen Seite der Stadt gestaltet wird. Der Bereich zwischen äußerem Döblinger Gürtel und Heiligenstädter Straße soll analog zum EU-Sanierungsprogramm "Urban Gürtel Plus", durch das die Stadtbahnbögen zum Lokal-, Geschäfts- und Wohnbereich umgemodelt wurden, aufgewertet werden. Zudem wird ein eigenes "Gürtelmanagement" installiert. (aw/DER STANDARD, Print, 10.1.2002)

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