"Kleine Sünden und Unsauberkeiten"

9. Jänner 2002, 19:16
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AK: Weitere Euro-Vergehen - erhöhte Vorsicht ab März

Wien - Der Euro als Bargeld ist etwas mehr als eine Woche alt, und die versteckten - und damit verbotenen - Preiserhöhungen wuchern. Bei der Arbeiterkammer (AK) gehen täglich rund 300 Anfragen ein. "Etwa 20 Prozent davon betreffen Beschwerden über Preiserhöhungen", sagt AK-Konsumentenschützer Karl Kollmann, Mitglied der Euro-Preiskommission. "Die Leute schauen seit 1. Jänner genauer auf die Preise, daher häufen sich auch die Beschwerden."

Die "kleinen Sünden und Unsauberkeiten" gingen quer durch alle Branchen. Es sei allerdings nicht richtig, dass nur kleine Unternehmen zu den Sündern gehören. "Selbst in einer generell sehr gut informierten Branche wie dem Banksektor haben sich die Eurobestimmungen noch nicht bis zur letzten Filiale im hintersten Vorarlberg durchgesprochen", ätzt der Konsumentenschützer.

Euro-Sünder

Johann Maier, SP-Abgeordneter und Konsumentenschützer in der AK Salzburg, nannte dem STANDARD einige Beispiele für Euro-Sünder, in die sich die AK eingeschaltet hat: Darunter sind viele Kleinbetriebe wie Bäckereien oder Tankstellenshops, weiters Autowaschanlagen oder Getränkeautomaten. Aber auch ein Eurospar-Markt in Salzburg (teureres Katzenfutter) und eine Filiale der Drogeriekette Schlecker in Zell am See wurden laut Maier "erwischt" und um Stellungnahmen zu den Preiserhöhungen gebeten.

Bei der AK-Euro-Hotline im Internet gingen Beschwerden ein, wonach in zwei Ankerbrot-Filialen keine Schillinge mehr angenommen worden wären, obwohl das Euro-Währungsangabengesetz dies bis 28. Februar vorschreibt. Ähnliches wird von einer Linzer Billa-Filiale behauptet.

Die Fotoausarbeitung in Schlecker-Märkten sei weiters um mehr als ein Drittel teurer geworden. Bei dm Kosmetik kostete "Brauen zupfen und färben" laut einer Kundin vor Weihnachten noch 120 Schilling, seit kurzem aber elf Euro, also 151,36 Schilling. Eine Beschwerde kam auch wegen des Ein-Schilling-Tarifs beim Handynetz One ("Von One zu One"), der seit 3. Dezember auf 1,50 S erhöht worden sei.

Vergehen auch im öffentlichen Bereich

Aber auch im öffentlichen Bereich werden immer wieder Preiserhöhungen gefunden: An der Bibliothek der Wirtschaftsuniversität Wien sei die Gebühr für die Fernleihe per 31. Dezember 2001 von 25 S auf zwei Euro, also 27,52 S, angehoben worden.

Kollmann schätzt, dass sich in zwei bis drei Wochen eine "trügerische Geläufigkeit" breit machen wird: "Die Leute glauben dann, die Umrechnungsregeln intus zu haben und werden unachtsam."

Erhöhte Vorsicht ab März

Verstärkt auf versteckte Preiserhöhungen aufpassen müsse man wieder im März und April, warnt der Konsumentenschützer. Mit dem Wegfall der doppelten Preisauszeichnung würden auch große Handelsketten wieder vermehrt in Versuchung geraten, Preise zu erhöhen. (Leo Szemeliker Robert Zwickelsdorfer, DER STANDARD, Printausgabe 10.1.2002)

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