Für Arbeit und Neutralität

10. Jänner 2002, 09:09
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SPÖ hat "sympathische" Themen - und profitiert in der Opposition

Wien/Linz - Sozialismus hat in Österreich für viele immer noch einen guten Klang - 42 Prozent finden den Begriff in einer diese Woche veröffentlichten Imas-Umfrage "sympathisch", nur 37 Prozent unsympathisch. Für die Sozialdemokratie noch wichtiger: Sie besetzt im Bewusstsein der Österreicher einen Gutteil jener Begriffe, die im Land generell als sympathisch eingestuft werden: Arbeit (76 Prozent), Neutralität (71 Prozent) und Gleichheit (64 Prozent).

Dies lässt sich aus einem Vergleich der Imas-Studie mit den Daten aus der market-Studie über die Parteikompetenzen schließen.

Die größte Stärke der SPÖ ist nach wie vor ihre Punzierung als Arbeiterpartei: Sie wird in allen Bevölkerungsgruppen - mit Ausnahme der deklarierten Anhänger der Freiheitlichen - mit großer Mehrheit wahrgenommen. Dazu kommt, dass sie von 39 Prozent auch als eine Partei der Angestellten gesehen wird - das ist zwar im Vergleich zu 1998 (als 53 Prozent die SPÖ als Vertreterin der Angestellteninteressen sahen) ein Rückgang, aber es ergibt weiterhin eine relative Mehrheit bei der Besetzung des Themas.

Zentrales Anliegen

market-Chef Werner Beutelmeyer: "Der Komplex Arbeit ist heute ein zentrales Anliegen der Österreicher, und die SPÖ besetzt ihn klar - auch wenn es etwa um Interessen von Arbeitslosen geht, die heute noch stärker als vor drei Jahren der SPÖ zugeordnet werden. Da spielt die starke soziale Komponente mit hinein - der Begriff von Sozialdemokratie schließt das ein."

Praktisch alle Sozialthemen werden mehrheitlich der SPÖ zugeordnet. Das betrifft nicht nur die Interessen der Senioren (die in hohem Maße SPÖ-Wähler sind), sondern auch die "Alterssicherung der heute arbeitenden Bevölkerung". Dieser Bereich ist zwar nicht mehr so ausgeprägt wie zu der Zeit, als die SPÖ noch den Sozialminister gestellt hat, dennoch kommt keine andere Partei an die nunmehr gemessenen 47 Prozent heran.

Was die SPÖ auf der einen Seite durch ihr Ausscheiden aus der Regierung verliert (etwa dass ihr die Schaffung von Arbeitsplätzen zugetraut wird), gewinnt sie auf der anderen Seite durch ihr schärfer werdendes Oppositionsprofil.

Zum Beispiel im Bezugspaar Neutralität und Nato: 1998, als noch der gemeinsame Optionenbericht in Diskussion war, trauten 31 Prozent der SPÖ zu, für den Nato-Beitritt zu sein. Jetzt sind es nur 18. Umgekehrt sahen damals erst 40 Prozent die SPÖ als Partei der Neutralität, jetzt sind es 50.

"Auch der Umstand, dass die SPÖ nicht mehr den Finanzminister stellt, hat ihrem Image eher gut getan", sagt Beutelmeyer: Ihre Kompetenz in der Frage Steuersenkung stieg von 30 auf 44 Prozent.

(DER STANDARD, printausgabe, 10.1.2002)
von Conrad Seidl

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