Edmund Stoiber: Eisern Strauß' Regeln befolgt

9. Jänner 2002, 19:26
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München - Im Hause von Edmund Stoiber gibt es noch immer "Papi-Mami-Tage", wie sie einst Marianne Strauß empfohlen hatte. Auch als Ministerpräsident nimmt sich Stoiber Zeit für seine Familie, obwohl der Sohn und die zwei Töchter längst erwachsen sind. Auch mit 60 Jahren hält er sich noch eisern an Straußsche Ratschläge.

Damit ist Stoiber bisher nicht schlecht gefahren. Im Windschatten seines politischen Ziehvaters hat der Einserjurist Karriere gemacht: Seit der Wahl von Franz Josef Strauß zum Ministerpräsidenten Bayerns 1978 galt Stoiber als dessen rechte Hand. Er erwarb sich als CSU-Generalsekretär den Ruf eines "blonden Fallbeils". Als Staatskanzlei-Chef und als Innenminister propagierte er Law and Order und bezeichnete durchaus auch einmal linke Schriftsteller als "Ratten".

Nachdem Max Streibl über die "Amigo"-Affäre gestolpert war, folgte ihm Saubermann Stoiber 1993 als bayerischer Ministerpräsident nach. In Straußscher Manier setzte er immer wieder Nadelstiche gegen die Bundespolitik und nährte damit Spekulationen über weitere Ambitionen. Er nahm auch eine Demontage von Finanzminister Theo Waigel in Kauf, dem er 1999 den CSU-Vorsitz abnahm.

Eigentlich ein "Preiß"

Damit hat er die Machtfülle von Strauß erreicht und beginnt sich von ihm zu distanzieren: Seit Stoiber nicht mehr genauso sein will wie sein einstiger Lehrmeister, reduziert sich der Widerstand gegen ihn in der CDU nur noch darauf, dass er von der kleineren Schwesterpartei kommt. Denn eigentlich wirkt Stoiber so, wie man südlich des Weiß- wurstäquators gemeinhin jemanden als "Preißn" bezeichnet: wie ein Asket, der gerne Akten wälzt. (afs, DER STANDARD, Print vom 10.1.2002)

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