Die Eiweiß-Landkarte der Hefe

9. Jänner 2002, 19:48
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"Wegweisende Arbeiten" zur Komplexität des Proteoms

Heidelberg/Toronto/Martinsried - Bei einem "Fischzug" im Netzwerk der Proteine haben Biologen in Deutschland reiche Beute gemacht. Mit einem neuartigen Experiment isolierten sie auf einen Schlag 589 Proteinkomplexe aus dem wichtigen Modellorganismus der Bäckerhefe, eine bisher unerreicht große Zahl.

Eine aus diesen Daten berechnete Karte zeigt im Detail, welche Proteine sich zusammenlagern, um in der Zelle funktionierende Werkzeuge zu schaffen. Die Veröffentlichung bedeutet einen großen Fortschritt der Proteomik.

Wissenschafter um Anne-Claude Gavin und Giulio Superti-Furga des deutschen Biotech-Unternehmens Cellzome und des European Molecular Biology Laboratory (EMBL, beide in Heidelberg) hatten zahlreiche gentechnisch veränderte Hefestämme geschaffen, aus denen sich die Proteine besonders leicht isolieren ließen.

In jedem der Stämme wurde ein "Anker" an ein anderes Gen gehängt. So konnten die Forscher später das vom Gen codierte und in der Hefe produzierte Protein "herausfischen". Die Forscher ermittelten die Zusammensetzung (Aminosäuresequenz) der so isolierten Proteine und die derjenigen Proteine, mit denen sie in der Zelle in einem Komplex zusammenarbeiten.

Ähnlich ging eine dänisch-kanadische Gruppe um Yuen Ho vom Biotech-Unternehmen MDS Proteomics (Toronto, Kanada) vor.

"Beides sind wegweisende Arbeiten, die zum ersten Mal die Komplexität des Proteoms zeigen", kommentierte Friedrich Lottspeich, Leiter der Arbeitsgruppe für Proteinanalytik am Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried bei München. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10. 1. 2002)

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