Gaddafi ist Juventus-Fan

9. Jänner 2002, 15:49
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Der libysche Revolutionsführer kaufte Aktien des Turiner Agnelli-Vereins um knapp 23 Millionen Euro

Turin - Der libysche Revolutionsführer Muammar Gaddafi, jahrelanger Geschäftsfreund der (FIAT-)Familie Agnelli, ist ab sofort zweitgrößter Aktionär des italienischen Fußball-Rekordmeisters Juventus Turin. Über die Investmentgesellschaft "Lafico" hat Gaddafi für 22,91 Millionen Euro (315 Millionen Schilling) 5,31 Prozent der "Juve"-Aktien an der Mailänder Börse aufgekauft.

Der Libyer hatte schon 1976 einen spektakulären Deal mit FIAT-Chef Gianni Agnelli gemacht. Damals erwarb Gaddafi 9,09 Prozent des Unternehmens, da Agnelli dringend Geld brauchte. 1986 kaufte Agnelli das mittlerweile auf 15,19 Prozent angewachsene Aktienpaket wieder zurück. Fiat war wieder flott gemacht, und Gaddafi strich dank der Kursgewinne einen beachtlichen Gewinn ein. Damit ist er so etwas wie ein guter alter Bekannter bei den Agnellis, die weiterhin mit 63 Prozent die Aktien-Mehrheit der "alten Dame" besitzen.

Vom Fußballklub zum Unterhaltungskonzern

Auch diesmal hoffen beide Seiten auf ein gutes Geschäft. Juventus spekuliert auf bessere Vermarktungschancen in Afrika. Gaddafi setzt auf "Mondo Juve", das mit dem Börsengang im Dezember 2001 vorgestellte Projekt einer Umwandlung des Fußballklubs in einen breit gefächerten Unterhaltungskonzern. Seit fünf Jahren erwirtschaftet der Turiner Verein Gewinne, nun soll auch mit Freizeitzentren, Kinos und Restaurants Geld verdient werden. Anders als viele andere Fußball-Aktien soll der Kurs des Wertpapiers nicht so stark vom sportlichen Erfolg abhängen.

Der allerdings wird dem Großaktionär und Fan Gaddafi auch am Herzen liegen. Auch dessen Sohn Al Saadi, einst selbst Teamspieler und jetzt Präsident von Al Ittihad, gilt als großer Juve-Fan. "Das Aktienpaket ist auch ein Geschenk an seinen Sohn", kommentierte die "Gazzetta dello Sport" am Mittwoch. Mit Hilfe des italienischen Trainers Franco Scoglio will Gaddafi zudem das Nationalteam Libyens zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 nach Deutschland bringen.

Von Juventus Turin gehören Gaddafi jetzt 5,31 Prozent. Geschäftsführer Antonio Giraudo kommt als drittgrößter Aktionär auf 3,6 Prozent. 28,09 Prozent verteilen sich auf Klein-Aktionäre. (APA/dpa)

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