Prodi warnt Italien: Keiner kann "Euroland" mehr verlassen

9. Jänner 2002, 14:49
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Reaktion auf negative Äußerungen anlässlich der Euro-Einführung

Brüssel - EU-Kommisisonspräsident Romano Prodi hat Italien am Mittwoch gewarnt, dass kein Teilnehmerstaat "Euroland" mehr verlassen könne. Er reagierte damit bei einer Pressekonferenz in Brüssel auf die skeptischen bis negativen Reaktionen italienischer Regierungsmitglieder, insbesondere von Minister Umberto Bossi, auf die Euro-Einführung. "Diese Ehe lässt sich nicht mehr scheiden", sagte Prodi.

Zwar wollte der italienische Politiker keinen Kommentar zu den Äußerungen Bossis abgeben. Er betrachte nur die Taten, betonte Prodi auf Journalistenfragen. Die Äußerungen Bossis hätten ihm jedoch keineswegs gefallen. Er teile dessen Ansicht nicht. Der Erfinder "Padaniens" hatte gesagt, die Euro-Einführung sei ihm "vollkommen egal".

Prodi erinnerte auch daran, dass die Fortschritte Italiens nach dem zweiten Weltkrieg "immer im Gleichklang und in enger Zusammenarbeit" mit Europa erfolgt seien. Ohne die Einbindung in die europäische Integration wäre Italien mit Blick auf seine Vergangenheit, seine Sozial- und seine Wirtschaftsstrukturen wesentlich mehr Risiken eingegangen. Dass der Euro auch in Italien ein großer Erfolg sei, habe die begeisterte Aufnahme durch die Bevölkerung bewiesen.

Zu den drei Außenseitern Großbritannien, Schweden und Dänemark, die den Euro vorerst nicht einführen wollen, meinte Prodi, die übrigen Länder könnten nur das gute Beispiel geben. Die drei Länder müssten selbst entscheiden, ob und zu welchem Zeitpunkt sie zur Eurozone stoßen wollten. Währungskommissar Pedro Solbes fügte hinzu, dass "wesentliche Vorbedingung" die Einhaltung der Konvergenzkritierien (wie niedrige Inflationsrate, Zinsen und öffentliches Defizit) sei. Der gute Verlauf der größten Umstellungsaktion der Welt schwäche auch die Argumente der Euro-Gegner. (APA)

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