"Der Herrgott sprach es werde Licht und kauft den Strom woanders nicht"

10. Jänner 2002, 09:11
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Evangalische Kirchen Österreichs bieten Mitgliedern "Strom bis zur Hälfte billiger"

Wien - "Strom bis zur Hälfte preiswerter" sollen demnächst die Mitglieder der Evangelischen Kirchen in Österreich nach eigenen Angaben beziehen. Dies ermöglicht ein Stromeinkaufspool, der seine Arbeit noch im Jänner aufnehmen soll. Der Vertrag dürfte in etwa zwei Wochen stehen, verhandelt wird nur mehr Salzburg AG und Verbund bzw. deren gemeinsamer Stromvertriebsgesellschaft MyElectric. Der Arbeitspreis soll jedenfalls unter 50 Groschen je kWh liegen.

Der für den Stromeinkaufspool verantwortliche Kirchenrat Heinrich Schwarz: "Bei rund 350.000 Mitgliedern der Evangelischen Kirchen, die mögliche Kunden für diesen Pool sind, können wir natürlich Einfluss auf den Anbieter bei der Preisgestaltung nehmen." Er rechne damit, dass doch zumindest 15 Prozent der Mitglieder diesem Pool beitreten werden, sagte Schwarz am Mittwoch im Gespräch mit der APA.

Strompreis hängt vom jeweiligen Wohnort ab

Im Dezember haben die Pfarrgemeinden ein Schreiben des Kirchenamts erhalten, das über den Strompool informiert und zur Beteiligung einlädt. Mit einer Vollmacht vom Stromkunden versehen, sucht das Kirchenamt dann den günstigsten Anbieter. In Oberösterreich sind auch schon die ersten Schreiben an evangelische Haushalte gegangen.

Konkret hänge der Strompreis auch vom jeweiligen Wohnort ab, so der Kirchenrat. Absehbar aber sei "auf jeden Fall ein Arbeitspreis von weniger als vier Cent pro Kilowattstunde" (50 Groschen). Als mögliche Lieferanten hat man sich praktisch alle in Österreich tätigen Anbieter in- und ausländischen Anbieter angesehen, verhandelt wird jedoch jetzt nur noch mit Salzburg AG und Verbund bzw. deren gemeinsamer Vertriebsgesellschaft MyElectric, so Schwarz zur APA. Kommen würde der Strom dann ohnedies vom Verbund, nämlich aus deren Wasserkraft.

"Stromkollekte"

Als besonderes Angebot könne eine "Stromkollekte" für einen bestimmten Zähler - etwa in der Kirche, dem Gemeindehaus oder dem angeschlossenen Kindergarten - eingerichtet werden. Die betreffende Pfarrgemeinde könne dann einen Bonus erhalten, eine Gutschrift zugunsten dieses Zählers, je nachdem, wieviel Strom in ihrem Pfarrgemeindegebiet bezogen wurde. Ansonsten verdiene die Evangelische Kirche an diesem Strompool-Geschäft "natürlich nichts", betont Schwarz: "Das ist ein Service für unsere Mitglieder."

Bei der Suche nach dem geeigneten Anbieter stünden zwar der Preis und die konkreten Konditionen, die im Detail noch ausgehandelt werden müssten, im Mittelpunkt. Dennoch habe man kirchenintern natürlich auch eine "ethisch-moralische Diskussion" geführt, die weit über die Fragen Wasserkraft bzw. Atomkraft hinausgegangen sei, so Schwarz.

Deutschland als Vorbild

Als Werbeslogan für den evangelischen Strom-Pool könnte sich Schwarz, der selbst einmal im deutschen Energiesektor tätig war, mit einem in Oberösterreich kreierten Vorschlag anfreunden: "Der Herrgott sprach: 'Es werde Licht!' und kauft den Strom woanders nicht."

Eingefädelt wurde der Deal mit den Evangelischen Kirchen von der PowerSolution Energieberatung GmbH in Wien, deren Geschäftsführer Roland Kuras früher Vertriebsleiter und kurz auch Geschäftsführer bei EnBW Austria war. PowerSolution (früher Tech-SET technische Beratung- Planung-Umsetzung GmbH) entwickelt für Betriebe und Regionen in den Bereichen Energie, Umwelt- und Abfallmanagement Strategien und Maßnahmen für effizienzsteigerndes und umweltschonendes Wirtschaften.

Vorbild dieses österreichischen Strompools war ein entsprechender Einkaufsvertrag der Evangelischen Kirche Deutschland - die allerdings über eine ungleich größere wirtschaftliche Macht verfügt.(APA)

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