E-Control: Österreicher bleiben ihrem Stromlieferanten treu

9. Jänner 2002, 15:01
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Nur 0,6 Prozent wechselten seit Anfang Oktober Lieferanten

Wien - Die völlige Strommarktöffnung per 1. Oktober 2001 hat Österreichs Haushalte jedenfalls bisher kaum zum Wechseln ihres Versorgers animiert, geht aus einer OGM-Umfrage im Auftrag des Stromregulierers E-Control hervor, die am Mittwoch in einer Pressekonferenz präsentiert wurde. Lediglich 0,6 Prozent der Haushalte haben demnach ihren Versorger gewechselt, bei den Unternehmen waren es knapp 6 Prozent. Stromregulator Walter Boltz erwartet allerdings, dass sich das Wechselverhalten der Österreicher in den nächsten Monaten noch stark ändern wird.

Sechs Prozent der Unternehmen wechselten bereits

Die Rate von 6 Prozent bei den Unternehmen - seit Anfang Oktober vorigen Jahres können auch Haushalte und Gewerbebetriebe ihren Stromlieferanten frei wählen - sei für drei Monate liberalisierter Markt "gar nicht so schlecht", so Boltz. Erfahrungen anderer Länder, in denen der Strommarkt schon seit längerer Zeit liberalisiert ist, hätten gezeigt, dass zu Beginn tendenziell eine abwartende Stimmung herrsche, die Wechselraten jedoch nach einigen Monaten stark gestiegen seien. In Großbritannien beispielsweise hätten heute mehr als 30 Prozent der Haushalts- und Gewerbekunden einen anderen Stromlieferanten, in Schweden seien es rund 20 Prozent.

Wechselvorgang zu umständlich

Als Gründe für die geringe Wechselwilligkeit gaben die Haushaltskunden in der Umfrage etwa an, dass der Wechselvorgang zu umständlich und die Einsparungen zu gering seien. Mit der Preispolitik ihres derzeitigen Versorgers waren in der im Dezember 2001 bei 900 Haushalten erfolgten Umfrage 71 Prozent eher weniger zufrieden, mit der Versorgungssicherheit dagegen 92 Prozent. Kundenpriorität hat demnach auch die Versorgungssicherheit mit 53 Prozent, gefolgt von günstigen Tarifen mit 31 Prozent und und besserem Service mit 12 Prozent.

Firmen geben als Gründe, die gegen eine Wechsel sprechen, vor allem kein Interesse oder zu geringe Einsparungen an. Bei den 600 befragten Unternehmen steht für 52 Prozent die Versorgungssicherheit im Mittelpunkt des Interesses, günstige Tarife für 52 Prozent und besseres Service für 7 Prozent. Eher weniger zufrieden mit den Tarifen ihres Versorgers sind 67 Prozent, mit der Versorgungssicherheit dagegen 85 Prozent.

Einsparungen weitgehend realisiert

Das Einsparpotenzial aus der Strommarktöffnung sei weitgehend realisiert, von den rund 13 Mrd. S seien 10 Mrd. S bereits lukriert, so der Leiter der volkswirtschaftlichen Abteilung der E-Control, Johannes Mayer. Bei den reinen Energiepreisen sei weniger damit zu rechnen, dass die Preise noch weiter nach unten gehen, es sei denn Rahmenbedingungen wie etwa die Gaspreise änderten sich dramatisch. Die österreichischen Preise seien auf einem Niveau, das dem europäischen Markt entspreche.

Eine Steigerung der Preise für die Haushalte wie derzeit etwa in Deutschland sei für Österreich allerdings auch nicht zu erwarten, so Boltz. Es gebe aber vielleicht keine drastischen Senkungen mehr. Der Wettbewerb in Österreich werde intensiv bleiben, und davon würden auch die kleineren Abnehmer profitieren. (APA)

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