"Mode nützt den Frauen nicht (mehr), sondern benützt sie"

9. Jänner 2002, 13:32
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Nachbemerkungen zu Yves Saint Laurents Rückzug aus dem Modegeschäft

"Ich habe mich entschlossen, dem geliebten Metier adieu zu sagen", erklärte Yves Saint Laurent am Montag vor den im Couturehaus versammelten Gästen. Danach gab er kein Interview, dafür sein langjähriger Partner und Geschäftsführer Pierre Bergé: "Yves fühlt sich nicht mehr wohl in einer Welt, wo man nicht den Frauen nützt, sondern sie benützt. Die Haute Couture gehörte zu einer Lebensart, die nicht mehr existiert."

Präzise Angaben über die Beweggründe dieses plötzlichen Abschieds zur Zeit des 40-jährigen Jubiläums des Modehauses gab es keine. Doch erklärt sich einiges aus der 1999 erfolgten Übernahme der Firma YSL durch die Luxusgruppe Pinault/Printemps/ Gucci (um 936 Mio. Euro). Einerseits durfte Saint Laurent in der prestigereichen, aber verlustbringenden Haute Couture weiterwirken. Andererseits musste er zusehen, wie alle anderen unter YSL vermarkteten Produkte vom viel umschwärmten Gucci-Designerstar Tom Ford geschaffen und lanciert wurden. Wie man hört, ist der Altmeister mit den US-Marketingmethoden seines Epigonen gar nicht zufrieden.

Wie alles begann...

Die Karriere des 1936 in Oran (Algerien) geborenen Yves Mathieu Saint Laurent begann eigentlich 1953, als er mit einer Modezeichnung einen Wettbewerb des Wollsekretariats gewann. Mit 19 wurde er Assistent von Christian Dior, den er nach dessen Tod zwei Jahre später ersetzte. Das Zusammentreffen mit Pierre Bergé führte 1962 zur Gründung des Couturehauses, aus dem später unzählige, weltweit erfolgreiche Produkte und Lizenzen hervorgingen: Fertigkleidung, Parfums, Accessoires. Die Frauen verdanken ihm die ihren Bedürfnissen und dem Zeitgeist entsprechenden "Uniformen": breitschultrige Kostüme, Hosenanzüge, Smokings, Safarijacken, Transparenzblusen, bunte Folklorekleider - das alles in neuen, subtil-gewagten Farbkombinationen. "Seit langem habe ich geglaubt, dass Mode nicht nur die Frauen verschönern, sondern ihnen auch Sicherheit geben, bei ihrer Selbstverwirklichung helfen soll. Ich war immer gegen jene Leute, die über die Mode nur ihr eigenes Ego verwirklichen", erklärte er in seiner Abschiedsrede.

Die nächste und letzte Modeschau am 22. 1. im Centre Pompidou wird auch eine Art Retrospektive seiner Modelle sein. "Ein Abgang in Schönheit", kommentiert man im Modehaus, wo allerdings 150 Angestellte um ihre Zukunft bangen. Seinen wehmütigen Anhängern bleiben Exponate in Museen sowie die Erinnerungen an einzigartige Präsentationen, magische Momente von purer Schönheit . . .
DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 9.1.2002

von Linda Koreska aus Paris
  • Artikelbild
    foto: eric feferberg
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